Inhalt
Kurzantwort: Quecksilber ist giftig, weil seine Ionen an Schwefelatome in Eiweißen binden und so Enzyme und Nervenzellen lahmlegen. Wie gefährlich es ist, hängt von der Form ab: Eingeatmeter Quecksilberdampf gelangt fast vollständig ins Blut und greift Gehirn und Nieren an. Verschlucktes flüssiges Metall wird laut Wikipedia nur zu 0,001 bis 0,01 Prozent aufgenommen und ist deshalb fast harmlos. Am gefährlichsten ist Methylquecksilber aus Fisch, das laut Umweltbundesamt die Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta passiert. Die EFSA hält 1,3 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht und Woche für tolerierbar.
Zerbrochene Fieberthermometer, Amalgamfüllungen, Thunfisch in der Schwangerschaft: Quecksilber taucht in vielen Alltagsfragen auf, und fast immer mit einem mulmigen Gefühl. Das Metall ist tatsächlich eines der giftigsten Elemente, mit denen Menschen regelmäßig in Kontakt kommen. Die Gefahr steckt aber weniger im Metall selbst als in seinen Dämpfen und Verbindungen.
Hier liest du, was Quecksilber im Körper anrichtet, welche drei Formen es gibt und wie unterschiedlich gefährlich sie sind, welche Grenzwerte gelten und was du bei einem zerbrochenen Thermometer tust. Die Einordnung stammt vom Umweltbundesamt (UBA), die Grenzwerte von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Was Quecksilber im Körper tut
Quecksilberionen haben eine hohe Neigung zu Schwefel. Eiweiße enthalten Schwefel in Form von Thiolgruppen und Disulfidbrücken, die ihre räumliche Struktur festlegen. Bindet Quecksilber daran, verliert das Eiweiß seine Form und seine Funktion. Enzyme fallen aus, Zellmembranen werden undicht. Besonders empfindlich ist laut Wikipedia das Nervengewebe. Bei chronischer Belastung wird laut UBA hauptsächlich das zentrale Nervensystem angegriffen, daneben die Nieren, die das Metall ausscheiden müssen.
Die klassischen Zeichen einer chronischen Vergiftung sind Zittern der Hände, Reizbarkeit, Schlaf- und Gedächtnisstörungen und Zahnfleischentzündungen. Das Bild war im 19. Jahrhundert bei Hutmachern so verbreitet, die Filz mit Quecksilbersalzen behandelten, dass es im Englischen zur Redewendung „mad as a hatter“ wurde.
Form 1: Metallisches Quecksilber und sein Dampf
Flüssiges Quecksilber verdampft schon bei Raumtemperatur langsam. Dieser Dampf ist die eigentliche Gefahr des Metalls. Er wird laut UBA über die Lunge gut aufgenommen, verteilt sich mit dem Blut und passiert die Blut-Hirn-Schranke. Verschlucktes flüssiges Quecksilber ist dagegen fast ungefährlich, weil der Darm es kaum aufnimmt: Wikipedia nennt eine Resorption von 0,001 bis 0,01 Prozent. Früher wurde metallisches Quecksilber sogar kiloweise gegen Darmverschluss geschluckt.
Für die Innenraumluft hat das UBA Richtwerte festgelegt: 35 Nanogramm je Kubikmeter als Vorsorgewert und 350 Nanogramm je Kubikmeter als Wert, ab dem Handlungsbedarf besteht. Die typische Quelle für die Bevölkerung sind laut UBA Amalgamfüllungen, die geringe Mengen Dampf abgeben. Seit Juli 2018 dürfen Zahnärzte in der EU bei Kindern unter 15 Jahren, Schwangeren und Stillenden kein Amalgam mehr verwenden.
Form 2: Anorganische Quecksilbersalze
Verbindungen wie Quecksilber(II)-chlorid waren früher Desinfektionsmittel und Gift zugleich. Sie sind stark ätzend und schädigen vor allem die Nieren. Das UBA stuft sie insgesamt als „weniger gefährlich“ ein als Dampf und organische Verbindungen, weil sie nicht eingeatmet und nur zu geringen Teilen aus dem Darm aufgenommen werden. Im Alltag begegnen sie dir praktisch nicht mehr.
Form 3: Methylquecksilber aus Fisch
Die gefährlichste Form entsteht in der Natur. Bakterien in Gewässern wandeln Quecksilber aus Industrieabgasen, Kohlekraftwerken und Goldwäscherei in Methylquecksilber um. Diese Verbindung reichert sich in der Nahrungskette an. Laut BfR liegt das Quecksilber in üblichen Speisefischen zu 70 bis 100 Prozent als Methylquecksilber vor. Langlebige Raubfische wie Heilbutt, Schwertfisch und Thunfisch sind laut UBA am stärksten belastet.
Methylquecksilber wird laut UBA aus dem Darm, über die Haut und die Lunge „zu sehr hohen Anteilen“ aufgenommen und passiert die Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta. Das ungeborene Kind ist deshalb die empfindlichste Gruppe: Das Nervensystem entwickelt sich, und schon geringe Mengen können die geistige Entwicklung stören. Die EFSA hat als tolerierbare wöchentliche Aufnahme 1,3 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht abgeleitet. Für eine 65 Kilogramm schwere Frau sind das 85 Mikrogramm pro Woche.
Wie tödlich Methylquecksilber sein kann, zeigte Minamata. In der japanischen Küstenstadt leitete eine Chemiefabrik über Jahre quecksilberhaltige Abwässer in die Bucht. Ab 1956 erkrankten Tausende Menschen, die den Fisch aßen, an schweren Nervenschäden. Viele starben, Kinder kamen mit Missbildungen zur Welt. Nach diesem Ort ist das weltweite Quecksilber-Abkommen benannt.
Was Behörden dagegen tun
Das Minamata-Übereinkommen wurde 2013 beschlossen und trat 2017 in Kraft. Seit 2020 sind laut UBA quecksilberhaltige Batterien, Schalter, Relais, bestimmte Leuchtstofflampen, Kosmetika, Pestizide und Messinstrumente verboten. Die EU war schneller: Seit dem 3. April 2009 dürfen keine neuen Fieberthermometer, Barometer und Blutdruckmessgeräte mit Quecksilber mehr verkauft werden.
Für Fisch gelten EU-Höchstgehalte von 0,5 Milligramm je Kilogramm, für Raubfische wie Thunfisch und Schwertfisch 1,0 Milligramm. Das UBA nennt als Umweltqualitätsziel für Fische 20 Nanogramm je Gramm Frischgewicht, ein Wert, der in vielen deutschen Gewässern überschritten wird. Das BfR rät Schwangeren, große Raubfische zu meiden, Fisch aber nicht vom Speiseplan zu streichen, weil Omega-3-Fettsäuren und Jod das Kind schützen.
Was du bei einem zerbrochenen Thermometer tust
Fenster öffnen, Heizung ausschalten, Kinder und Haustiere aus dem Raum. Die Kügelchen mit einem Blatt Papier oder Klebeband aufnehmen, in ein verschließbares Glas geben und beim Schadstoffmobil abgeben. Nie mit dem Staubsauger aufsaugen: Er erwärmt das Metall und bläst den Dampf in den Raum. Bei einer zerbrochenen Energiesparlampe empfiehlt das UBA gründliches Lüften und das Einsammeln der Scherben, weil nur wenige Milligramm enthalten sind. Ein einzelner Bruch ist laut UBA eine sehr seltene Expositionsquelle und kein Grund zur Panik.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn man Quecksilber verschluckt?
Flüssiges Metall wird nur zu 0,001 bis 0,01 Prozent aufgenommen und meist unverändert ausgeschieden. Gefährlich ist der Dampf, nicht die Kugel.
Warum ist Quecksilberdampf so gefährlich?
Er wird über die Lunge fast vollständig aufgenommen, erreicht das Gehirn und schädigt Nervenzellen und Nieren.
Wie viel Thunfisch darf eine Schwangere essen?
Die EFSA nennt 1,3 Mikrogramm Methylquecksilber je Kilogramm Körpergewicht und Woche. Das BfR rät, große Raubfische zu meiden und stattdessen fettreiche Fische wie Lachs oder Hering zu wählen.
Sind Amalgamfüllungen gefährlich?
Sie sind laut UBA die typische Quelle für elementares Quecksilber in der Bevölkerung, die Mengen liegen aber weit unter den Richtwerten. Seit 2018 ist Amalgam für Kinder, Schwangere und Stillende in der EU nicht mehr erlaubt.
Was ist das Minamata-Übereinkommen?
Ein weltweites Abkommen von 2013, in Kraft seit 2017, das Abbau, Handel und Verwendung von Quecksilber begrenzt. Seit 2020 sind viele quecksilberhaltige Produkte verboten.
Wie erkennt man eine Quecksilbervergiftung?
Akut durch Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel, chronisch durch Zittern, Reizbarkeit und Gedächtnisstörungen. Nachweisbar ist Quecksilber im Blut und Urin.
Quellen
- Umweltbundesamt: Häufige Fragen zu Quecksilber
- Wikipedia: Quecksilbervergiftung
- BfR: Quecksilber und Methylquecksilber in Fischen und Fischprodukten – Bewertung durch die EFSA
- Wikipedia: Quecksilber
Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.







