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Titelbild: „BP Latest Pump Design“ von Unisouth · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten
Kurzantwort: Diesel kostete im August 2026 im Schnitt 2,223 Euro je Liter, Super E10 2,145 Euro. Dabei liegt die Energiesteuer auf Diesel mit 47,04 Cent um 18,41 Cent unter der auf Benzin. Der Aufpreis entsteht am Weltmarkt: Seit der Blockade der Straße von Hormus im Februar 2026 und dem Ausfall russischer Raffinerien ist Diesel weltweit knapp, und deutsche Raffinerien exportieren mehr davon als je zuvor. Dazu kommt ein höherer CO2-Preis, weil ein Liter Diesel beim Verbrennen 2,65 Kilogramm CO2 freisetzt, ein Liter Benzin 2,37 Kilogramm.
Über Jahrzehnte war die Reihenfolge an der Zapfsäule klar. Diesel stand unten, Benzin oben. 2019 lag der Liter Diesel im Jahresschnitt bei 1,262 Euro, Super E10 bei 1,405 Euro.
Seit März 2026 ist es umgekehrt. Im April kostete Diesel im Monatsmittel 2,263 Euro, E10 2,109 Euro. Im August lag der Abstand bei rund 8 Cent. Wer einen Diesel fährt, zahlt seitdem an fast jeder Tankstelle mehr als der Nachbar mit dem Benziner.
Die Steuer erklärt das nicht, denn sie wirkt in die andere Richtung. Der Grund liegt in drei Dingen, die auf dem Kassenbon nicht stehen: im Weltmarkt für Diesel, im CO2-Preis und in der Mehrwertsteuer, die jeden Unterschied verstärkt.
Der Steuervorteil: 18,41 Cent weniger Energiesteuer
Die Energiesteuer ist ein fester Betrag je Liter. Sie ändert sich nicht mit dem Ölpreis. Auf Benzin liegt sie bei 65,45 Cent, auf Diesel bei 47,04 Cent. Diese Sätze gelten seit 2003.
Vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 senkte der Bund beide Sätze vorübergehend um 14,04 Cent. Seit dem 1. Juli 2026 gelten wieder die alten Werte. Der Zoll hat die Senkung und ihr Ende am 29. April 2026 in einer Fachmeldung veröffentlicht.
Der Unterschied von 18,41 Cent heißt in der Debatte „Dieselprivileg“, weil er den Diesel und damit vor allem den Güterverkehr entlastet. Nach ADAC-Angaben machten Steuern und Abgaben im Juli 2026 rund 57 Prozent des Benzinpreises aus, beim Diesel rund 47 Prozent.
Rechnest du nur die Steuer, müsste Diesel also gut 18 Cent billiger sein. Dass er stattdessen teurer ist, zeigt: Der Preis vor Steuern liegt beim Diesel derzeit deutlich höher als beim Benzin.
Der CO2-Preis trifft Diesel härter
Seit 2021 zahlst du beim Tanken einen nationalen CO2-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz. 2021 lag er bei 25 Euro je Tonne, 2025 bei 55 Euro. 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne.
Dieser Preis hängt an der Menge CO2, die beim Verbrennen entsteht. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags geben für einen Liter Benzin 2,37 Kilogramm CO2 an, für einen Liter Diesel 2,65 Kilogramm. Diesel ist dichter und enthält je Liter mehr Kohlenstoff.
Daraus folgt nach ADAC-Rechnung für 2026 ein Aufschlag von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter Diesel. Diesel trägt also rund 2 Cent mehr CO2-Preis. Das frisst einen kleinen Teil des Steuervorteils, erklärt den Aufpreis aber noch nicht.
Der Weltmarkt: Warum Diesel 2026 knapp ist
Die eigentliche Antwort liegt außerhalb Deutschlands. Diesel und Benzin sind zwei verschiedene Produkte mit zwei verschiedenen Märkten. Beide kommen aus Rohöl, aber sie werden getrennt gehandelt und getrennt bepreist.
Seit Februar 2026 ist die Straße von Hormus faktisch gesperrt. Durch diese Meerenge lief bisher rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls. Der Preis für Brent stieg im April zeitweise auf über 100 US-Dollar je Barrel.
Beim Diesel kommt ein zweiter Ausfall dazu. Russland gehört zu den größten Diesel-Exporteuren der Welt, vor allem nach China und in die Türkei. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien haben diese Lieferungen gedrosselt. Auf dem Weltmarkt fehlt seitdem Diesel, nicht Benzin.
Deutsche Raffinerien reagieren darauf, wie es der Markt vorgibt: Sie verkaufen dorthin, wo am meisten gezahlt wird. Nach Angaben des ZDF stieg ihre Exportquote von 29 Prozent im Jahr 2025 auf 38 Prozent zwischen März und Juli 2026. Die Auslastung stieg von 80 auf 90 Prozent. Trotzdem lag der deutsche Dieselpreis ohne Steuern und Abgaben Ende August rund 20 Cent über dem EU-Schnitt.
Diesel konkurriert mit Heizöl und Lastwagen
Diesel und Heizöl EL stammen aus derselben Fraktion des Rohöls, den sogenannten Mitteldestillaten. Chemisch sind sie so eng verwandt, dass Heizöl in einem Dieselmotor läuft, steuerlich ist das aber verboten. Wer im Herbst seinen Heizöltank füllt, kauft aus demselben Topf wie der Lkw-Fahrer und der Dieselfahrer.
Benzin hat diesen Wettbewerb nicht. Es wird fast nur in Pkw und Motorrädern verbrannt. Deshalb reagiert der Dieselpreis stärker auf Lieferstörungen, auf die Heizsaison und auf die Konjunktur als der Benzinpreis.
Die Mehrwertsteuer verstärkt jeden Unterschied
Auf den gesamten Preis kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer, auch auf Energiesteuer und CO2-Preis. Steigt der Einkaufspreis für Diesel um 10 Cent, zahlst du an der Säule 11,9 Cent mehr.
Der Steuervorteil des Diesels schrumpft dadurch nicht, aber jeder Aufschlag aus dem Weltmarkt wächst um ein Fünftel. Rechnest du die Augustpreise 2026 zurück, also Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO2-Preis bei 55 Euro je Tonne abgezogen, bleiben für Diesel rund 1,22 Euro und für Super E10 rund 0,99 Euro je Liter. Vor Steuern kostet Diesel also rund 23 Cent mehr.
Preise im Vergleich: Diesel und Super E10 seit 2019
Die folgende Tabelle zeigt die Jahresdurchschnitte des ADAC in Euro je Liter. Nur 2022 und 2026 war Diesel im Schnitt teurer als Benzin.
| Jahr | Super E10 | Diesel | Diesel teurer? |
|---|---|---|---|
| 2019 | 1,405 | 1,262 | nein, 14 Cent billiger |
| 2020 | 1,255 | 1,111 | nein, 14 Cent billiger |
| 2021 | 1,522 | 1,385 | nein, 14 Cent billiger |
| 2022 | 1,860 | 1,946 | ja, 9 Cent teurer |
| 2023 | 1,791 | 1,722 | nein, 7 Cent billiger |
| 2024 | 1,739 | 1,649 | nein, 9 Cent billiger |
| 2025 | 1,688 | 1,611 | nein, 8 Cent billiger |
| Jan. 2026 | 1,739 | 1,692 | nein, 5 Cent billiger |
| Apr. 2026 | 2,109 | 2,263 | ja, 15 Cent teurer |
| Aug. 2026 | 2,145 | 2,223 | ja, 8 Cent teurer |
Das Muster ist eindeutig. In ruhigen Jahren gewinnt der Steuervorteil, und Diesel ist 7 bis 14 Cent billiger. In Krisenjahren wie 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und 2026 nach der Sperrung von Hormus dreht der Weltmarkt das Verhältnis um.
Kfz-Steuer: Der Ausgleich läuft über das Auto
Der Staat holt sich einen Teil des Steuervorteils an anderer Stelle zurück. Nach § 9 Kraftfahrzeugsteuergesetz zahlt ein Benziner 2 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum, ein Diesel 9,50 Euro. Dazu kommt bei beiden der CO2-Anteil.
Bei einem Motor mit 2.000 Kubikzentimetern sind das 40 Euro beim Benziner und 190 Euro beim Diesel, allein aus dem Hubraum. Wer wenig fährt, verliert den Tankvorteil deshalb schon vor dem ersten Liter.
Was das für dich bedeutet
Ein Rechenbeispiel mit den Augustpreisen 2026: Angenommen, ein Diesel braucht 6 Liter auf 100 Kilometer, ein vergleichbarer Benziner 7 Liter. Bei 15.000 Kilometern im Jahr kostet der Diesel 2.001 Euro Kraftstoff, der Benziner 2.252 Euro.
Der Diesel bleibt also günstiger, weil er weniger verbraucht. Der Vorsprung ist aber auf rund 250 Euro geschrumpft und wird durch die höhere Kfz-Steuer teilweise aufgezehrt. Bei den Preisen von 2025 hätte derselbe Diesel rund 320 Euro gespart.
Wann sich das Verhältnis wieder dreht, hängt an Hormus und an den russischen Raffinerien. Das ifo-Institut und die Monopolkommission rechnen laut ZDF damit, dass die Engpässe noch Monate anhalten.
Häufige Fragen
Ist Diesel immer teurer als Benzin?
Nein. Von 2019 bis 2021 und von 2023 bis 2025 war Diesel im Jahresschnitt 7 bis 14 Cent billiger. Nur 2022 und seit März 2026 liegt er über Super E10.
Wie viel Energiesteuer steckt in einem Liter Diesel?
47,04 Cent. Auf Benzin sind es 65,45 Cent. Die Sätze gelten seit 2003, unterbrochen nur von der befristeten Senkung um 14,04 Cent im Mai und Juni 2026.
Warum zahlt Diesel mehr CO2-Preis?
Weil ein Liter Diesel 2,65 Kilogramm CO2 freisetzt, ein Liter Benzin 2,37 Kilogramm. Bei 55 bis 65 Euro je Tonne sind das 17,3 bis 20,5 Cent gegenüber 15,7 bis 18,6 Cent.
Was hat Heizöl mit dem Dieselpreis zu tun?
Beide kommen aus derselben Rohölfraktion. Steigt im Herbst die Nachfrage nach Heizöl, wird auch Diesel knapper und teurer. Benzin hat diesen Konkurrenten nicht.
Lohnt sich ein Diesel trotzdem noch?
Bei hoher Fahrleistung meist ja, weil der Motor je 100 Kilometer weniger verbraucht. Bei 15.000 Kilometern und Augustpreisen 2026 bleibt ein Vorsprung von rund 250 Euro, abzüglich der höheren Kfz-Steuer.
Wird Diesel wieder billiger als Benzin?
Das hängt am Weltmarkt. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt und russische Raffinerien ausfallen, erwarten ifo-Institut und Monopolkommission keine Entspannung.
Quellen
- ADAC — Spritpreis-Entwicklung: Benzin- und Dieselpreise seit 1950
- ADAC — CO2-Steuer: Was der Anstieg für Autofahrer bedeutet
- Zoll — Vorübergehende Senkung der Energiesteuer zum 1. Mai 2026
- ZDFheute — Wie lange bleibt der Diesel noch so teuer?
Von Susanne Bork, Redaktion wissens-bote.de. Jede Erklaerung wird an Beispielen geprueft.
Von Susanne Bork, Redaktion wissens-bote.de. Jede Erklaerung wird an Beispielen geprueft.







