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Warum ist Palmöl schlecht? Regenwald, Schadstoffe, Alternativen

Kurzantwort: Palmöl steht aus drei Gründen in der Kritik. Erstens entstehen die Plantagen in Indonesien und Malaysia, die zusammen 84 Prozent der Weltproduktion liefern, zu großen Teilen auf gerodetem Regenwald und trockengelegten Torfmooren. Zweitens bilden sich bei der Raffination Glycidyl-Fettsäureester, deren Abbauprodukt Glycidol laut Bundesinstitut für Risikobewertung genotoxisch und krebserzeugend ist. Drittens besteht Palmöl zu mehr als der Hälfte aus gesättigten Fettsäuren. Ein pauschaler Ersatz löst das Problem nicht: Keine andere Ölpflanze liefert so viel Öl je Hektar, ein Umstieg bräuchte laut WWF allein für Deutschland 1,4 Millionen Hektar mehr Fläche.

Palmöl steckt in Margarine, Schokoaufstrich, Fertigpizza, Waschmittel, Lippenstift und im Dieseltank. Es ist das meistproduzierte Pflanzenöl der Welt, und es hat den schlechtesten Ruf. Ein Teil der Kritik ist gut belegt, ein Teil greift zu kurz.

Hier liest du, was am Palmöl tatsächlich problematisch ist, was Behörden dazu sagen und warum „palmölfrei“ auf der Packung nicht automatisch besser für Wald und Klima ist. Die Produktionszahlen stammen aus der Wikipedia, die Schadstoffbewertung vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Flächenrechnung vom WWF Deutschland.

Woher Palmöl kommt und wie viel

Die Ölpalme wächst nur in den Tropen. 2020 lag die Weltproduktion laut Wikipedia bei rund 75,9 Millionen Tonnen. Indonesien lieferte 44,8 Millionen Tonnen (59 Prozent), Malaysia 19,1 Millionen Tonnen (25,2 Prozent). Zusammen kontrollieren die beiden Länder mehr als 84 Prozent des Marktes. Deutschland verbrauchte 2019 etwa 1,26 Millionen Tonnen.

Der Grund für den Erfolg ist der Ertrag. Eine Ölpalmenplantage liefert laut Wikipedia 4 bis 6 Tonnen Öl je Hektar und Jahr, Raps 1,5 bis 2,5 Tonnen. Der WWF rechnet für Raps, Kokos und Sonnenblume im weltweiten Durchschnitt sogar nur mit rund 0,7 Tonnen je Hektar. Palmöl ist deshalb billig, fest bei Raumtemperatur, geschmacksneutral und lange haltbar. Für die Industrie ist das ideal.

Problem 1: Regenwald und Torfmoore

Zwischen 1990 und 2005 entstanden laut Wikipedia 1,87 Millionen Hektar neue Plantagen in Malaysia und 3 Millionen Hektar in Indonesien, „von denen mehr als die Hälfte durch Abholzung von tropischen Urwäldern entstand“. Mit dem Wald verschwindet der Lebensraum von Orang-Utans, Sumatra-Tigern und Nashörnern.

Noch schwerer wiegt der Boden. Viele Plantagen liegen auf Torfmooren, die für den Anbau entwässert werden. Der Torf zersetzt sich dann und gibt über Jahrzehnte Kohlendioxid ab. Brandrodungen auf Torf verursachen zusätzlich die Rauchwolken, die in trockenen Jahren über Südostasien liegen. Das ist der Kern des Klimaproblems beim Palmöl.

Problem 2: Schadstoffe aus der Raffination

Rohes Palmöl ist rot und riecht kräftig. Für Lebensmittel wird es raffiniert, also bei hohen Temperaturen gereinigt und entfärbt. Dabei entstehen laut BfR 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidyl-Fettsäureester, und zwar „vor allem bei der Raffination pflanzlicher Fette und Öle“. Palmöl ist von allen Speiseölen am stärksten betroffen.

Die beiden Stoffgruppen sind unterschiedlich gefährlich. Glycidol, das im Darm aus den Glycidyl-Estern freigesetzt wird, stuft das BfR als „genotoxisch und krebserzeugend“ ein, die Krebsforschungsagentur IARC als wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen. Eine sichere Menge lässt sich dafür nicht angeben. Für 3-MCPD hat die EFSA 2018 eine tolerierbare tägliche Aufnahme von 2 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht festgelegt; in Tierversuchen verursachte der Stoff bei hohen Dosen gutartige Nierentumore.

Seit dem 19. März 2018 gelten in der EU Höchstgehalte für Glycidyl-Ester in pflanzlichen Fetten und in Säuglingsnahrung. Das BfR weist darauf hin, dass Säuglinge, die ausschließlich Fertignahrung bekommen, die tolerierbare Aufnahme für 3-MCPD geringfügig überschreiten können. Eltern sollen trotzdem weiter füttern wie bisher, weil es keine gleichwertige Alternative gibt.

Problem 3: Gesättigtes Fett

Palmöl besteht laut Wikipedia zu mehr als 50 Prozent aus gesättigten Fettsäuren, vor allem Palmitinsäure. Damit liegt es zwischen Butter und Rapsöl. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, gesättigte Fette durch ungesättigte zu ersetzen. Ein Brotaufstrich mit Palmfett ist deshalb keine gute Fettquelle, ein Rapsöl mit rund 6 Prozent gesättigten Fettsäuren schon. Das ist ein Nachteil des Palmöls, aber kein Alleinstellungsmerkmal: Kokosöl enthält noch mehr gesättigtes Fett.

Warum Ersatz das Problem verschiebt

Der WWF hat 2016 in der Studie „Auf der Ölspur“ durchgerechnet, was passiert, wenn Deutschland komplett auf Palmöl verzichtet. Ergebnis: Für die Ersatzöle wären rund 1,4 Millionen Hektar mehr Anbaufläche nötig, weil keine andere Pflanze so viel Öl je Hektar liefert. Kokos- und Sojaanbau würden dann in denselben Tropenregionen wachsen, Raps und Sonnenblume in Europa Fläche von der Nahrungsproduktion abziehen. Die Studie kommt zu dem Fazit, dass ein unkritischer Austausch die Probleme nur verlagert.

Der WWF hält deshalb drei Hebel für wirksamer: weniger Fett und Fertigprodukte insgesamt, kein Palmöl im Tank und zertifiziertes Palmöl aus Anbau ohne neue Rodung. Der größte Posten in Deutschland war 2016 mit 41 Prozent die Bioenergie, 40 Prozent gingen in Lebensmittel, 17 Prozent in Waschmittel, Kosmetik und Chemie. Die EU hat 2018 beschlossen, den Anteil von Palmöl im Biodiesel auf dem Stand von 2019 einzufrieren und ab 2030 ganz auszuschließen.

Was du selbst tun kannst

Seit 2014 muss Palmöl in Lebensmitteln namentlich in der Zutatenliste stehen, „pflanzliches Fett“ reicht nicht mehr. Wer Fertigprodukte, Aufstriche und Gebäck reduziert, senkt den eigenen Palmölverbrauch am stärksten. Beim Braten zu Hause gilt der BfR-Rat gegen freies 3-MCPD: Fleisch und Gemüse ungesalzen anbraten und erst danach salzen. Und wer Palmöl kauft, greift zu Ware mit Zertifikat, das den Anbau auf bestehenden Flächen belegt.

Häufige Fragen

Ist Palmöl krebserregend?

Raffiniertes Palmöl kann Glycidyl-Fettsäureester enthalten. Das daraus freigesetzte Glycidol gilt laut BfR als genotoxisch und krebserzeugend. Seit 2018 begrenzt die EU die Gehalte.

Ist Palmöl ungesünder als Butter?

Beide enthalten viel gesättigtes Fett. Palmöl liegt bei gut 50 Prozent, Butter höher. Raps- oder Olivenöl sind die bessere Wahl.

Warum steckt Palmöl in so vielen Produkten?

Es ist billig, geschmacksneutral, bei Raumtemperatur fest und lange haltbar. Und die Ölpalme liefert 4 bis 6 Tonnen Öl je Hektar, mehr als jede andere Ölpflanze.

Ist Kokosöl die bessere Alternative?

Nein. Kokosöl wächst in denselben Tropenregionen mit deutlich geringerem Ertrag und enthält noch mehr gesättigtes Fett.

Muss Palmöl auf der Packung stehen?

Ja. Seit Dezember 2014 muss die botanische Herkunft pflanzlicher Öle in der Zutatenliste stehen.

Was bedeutet RSPO?

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil ist ein Zertifizierungssystem, das unter anderem Rodung von Primärwald für neue Plantagen ausschließt. Umweltverbände halten die Kriterien für zu schwach, sehen es aber als Mindeststandard.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


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