Dogs-friendly-wrestling

Was passiert, wenn Hunde Katzenfutter fressen? Folgen, Zahlen

Kurzantwort: Frisst dein Hund einmal Katzenfutter, passiert meist nichts außer vielleicht weichem Kot. Giftig ist es nicht. Dauerhaft ist es aber das falsche Futter: Katzenfutter enthält deutlich mehr Eiweiß und Fett, weil Katzen reine Fleischfresser sind. Der Fachverband FEDIAF setzt für erwachsene Katzen mindestens 25 Gramm Eiweiß und 9 Gramm Fett je 100 Gramm Trockenmasse an, für Hunde 18 und 5,5 Gramm. Auf Dauer drohen Übergewicht, Durchfall, Erbrechen und bei empfindlichen Hunden eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Wer Hund und Katze zusammen hält, kennt die Szene: Der Hund räumt den Katzennapf leer, sobald niemand hinschaut. Katzenfutter riecht intensiver, ist fetter und schmeckt Hunden deshalb besser als ihr eigenes. Die Sorge, ob das schadet, ist berechtigt, aber die Antwort fällt je nach Menge und Häufigkeit sehr unterschiedlich aus.

Hier liest du, worin sich Katzen- und Hundefutter unterscheiden, was ein einmaliger Diebstahl auslöst, was bei regelmäßigem Fressen passiert, welche Hunde besonders aufpassen müssen und warum der umgekehrte Fall, die Katze am Hundenapf, das größere Problem ist. Die Zahlen stammen aus den Ernährungsrichtlinien des europäischen Heimtierfutterverbands FEDIAF und aus der Wikipedia.

Worin sich Katzen- und Hundefutter unterscheiden

Katzen sind laut Wikipedia „reine“ oder „wahre“ Fleischfresser mit einem hohen Bedarf an Proteinen, die sie überwiegend aus tierischen Quellen decken. Hunde sind Allesfresser mit Fleischschwerpunkt. Das spiegelt sich in den Mindestwerten, die die FEDIAF in ihren Nutritional Guidelines 2021 festlegt:

Je 100 g Trockenmasse Erwachsener Hund Erwachsene Katze
Eiweiß mindestens 18 g 25 g
Fett mindestens 5,5 g 9 g
Taurin mindestens kein Bedarf festgelegt 0,10 g (Trockenfutter) / 0,20 g (Nassfutter)

Katzenfutter hat also rund 40 Prozent mehr Eiweiß und über 60 Prozent mehr Fett als das Minimum für Hunde, in der Praxis oft deutlich mehr. Dazu kommen Stoffe, die Katzen zugesetzt bekommen müssen, weil ihr Stoffwechsel sie nicht selbst bildet: Taurin, Arachidonsäure und fertiges Vitamin A. Hunde stellen laut Wikipedia Taurin selbst her und wandeln Beta-Carotin in Vitamin A um. Für sie ist der Zusatz überflüssig, aber unschädlich.

Was ein einmaliger Diebstahl auslöst

Ein leerer Katzennapf ist für einen gesunden Hund kein Notfall. Das Futter enthält nichts, was ihn vergiftet. Die häufigste Folge ist Durchfall oder ein einmaliges Erbrechen, weil der Darm die ungewohnte Fettmenge nicht gewohnt ist. Kleine Hunde reagieren stärker, weil der Napf im Verhältnis zu ihrem Körper mehr Fett liefert.

Was du tun kannst: Wasser anbieten, die nächste Mahlzeit kleiner ausfallen lassen und den Kot beobachten. Hält Durchfall länger als einen Tag an, kommt Blut dazu oder wird der Hund matt, gehört er zum Tierarzt.

Was bei regelmäßigem Fressen passiert

Auf Dauer summieren sich die Unterschiede. Der hohe Fettgehalt bedeutet mehr Kalorien bei gleicher Menge. Ein Hund, der neben seinem Futter täglich am Katzennapf nascht, nimmt zu. Übergewicht belastet Gelenke, Herz und Stoffwechsel.

Das größere Risiko ist die Bauchspeicheldrüse. Fettreiche Mahlzeiten gelten in der Tiermedizin als Auslöser der Pankreatitis, einer schmerzhaften Entzündung, die mit Erbrechen, gekrümmtem Rücken und Appetitlosigkeit einhergeht und in schweren Fällen lebensgefährlich ist. Bestimmte Rassen und übergewichtige Hunde sind anfälliger.

Der hohe Eiweißgehalt ist für gesunde Nieren kein Problem. Für Hunde mit einer Nierenerkrankung ist er es, weil die Abbauprodukte des Eiweißes über die Niere ausgeschieden werden müssen. Und Welpen brauchen ein Futter, das auf ihr Wachstum abgestimmt ist, mit passendem Verhältnis von Kalzium und Phosphor. Katzenfutter erfüllt das nicht.

Welche Hunde besonders aufpassen müssen

  • Hunde mit bekannter Pankreatitis oder erhöhten Blutfettwerten.
  • Hunde mit Nieren- oder Lebererkrankungen, die auf eiweißreduziertes Futter angewiesen sind.
  • Übergewichtige Hunde und Rassen mit Neigung zu Bauchspeicheldrüsenproblemen.
  • Welpen und Junghunde im Wachstum.
  • Hunde mit Futtermittelallergie, weil Katzenfutter oft andere Eiweißquellen enthält als das gewohnte Futter.

Der umgekehrte Fall: Katze frisst Hundefutter

Deutlich kritischer ist es, wenn die Katze dauerhaft am Hundenapf frisst. Hundefutter muss kein Taurin enthalten, weil Hunde es laut FEDIAF selbst in ausreichender Menge bilden. Katzen können laut Wikipedia nur kleine Mengen selbst bilden. Ein Mangel führt zu zwei Krankheitsbildern: der dilatativen Kardiomyopathie, einer Herzmuskelschwäche, und einer Degeneration der Netzhaut bis zur Erblindung. Die Wikipedia nennt eine empfohlene Tagesdosis von 200 bis 500 Milligramm Taurin für Katzen. Dazu fehlen im Hundefutter Arachidonsäure und fertiges Vitamin A. Für die Katze ist Hundefutter deshalb auf Dauer eine Mangelernährung.

So trennst du die Näpfe im Alltag

Die einfachste Lösung ist räumlich. Der Katzennapf steht erhöht, auf einer Fensterbank oder einem Regal, wo die Katze hinspringt und der Hund nicht hinkommt. Oder er steht in einem Raum mit einer Katzenklappe, die für den Hund zu klein ist. Futter mit festen Zeiten statt Dauerangebot hilft ebenfalls: Nach 20 Minuten kommt der Napf weg. Und wer beide Tiere gleichzeitig füttert, hat den Hund beschäftigt, während die Katze frisst.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn Hunde Katzenfutter fressen, in einem Satz?

Einmalig meist nur Durchfall, dauerhaft Übergewicht, Verdauungsprobleme und ein erhöhtes Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung wegen des hohen Fett- und Eiweißgehalts.

Ist Katzenfutter giftig für Hunde?

Nein. Es enthält keine für Hunde giftigen Stoffe. Das Problem ist die Zusammensetzung, die auf reine Fleischfresser abgestimmt ist.

Wie viel Eiweiß hat Katzenfutter mehr als Hundefutter?

Die FEDIAF setzt für Katzen mindestens 25 Gramm je 100 Gramm Trockenmasse an, für Hunde 18 Gramm. Beim Fett sind es 9 gegenüber 5,5 Gramm.

Mein Hund hat Katzenfutter gefressen und Durchfall, was tun?

Wasser anbieten, nächste Mahlzeit klein halten, beobachten. Bei Blut im Kot, Erbrechen oder Mattigkeit über einen Tag hinaus zum Tierarzt.

Dürfen Welpen Katzenfutter fressen?

Nein. Welpen brauchen ein Aufzuchtfutter mit abgestimmtem Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Katzenfutter erfüllt diese Anforderungen nicht.

Ist es schlimmer, wenn die Katze Hundefutter frisst?

Ja. Hundefutter muss kein Taurin enthalten, Katzen bilden es kaum selbst. Ein Mangel schädigt Herz und Netzhaut.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


Nach oben scrollen