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Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Die Ausbildung zum systemischen Berater ist eine berufsbegleitende Weiterbildung. Nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) dauert sie mindestens zwei Jahre und umfasst mindestens 570 Unterrichtseinheiten. Zwei geprüfte Angebote für 2026 kosten 6.480 und 7.400 Euro.
Kurzantwort: Wer systemischer Berater werden will, braucht meist einen Studien- oder Berufsabschluss im psychosozialen Bereich. Danach folgt eine zertifizierte Weiterbildung von mindestens zwei Jahren bei einem anerkannten Institut.
Das Wichtigste in Kürze
- Dauer: mindestens 2 Jahre, berufsbegleitend.
- Umfang nach DGSF: mindestens 570 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten.
- Zertifikate vergeben vor allem die Fachverbände DGSF und SG.
- Kosten: je nach Institut mehrere Tausend Euro.
Was macht ein systemischer Berater?
Systemische Beratung betrachtet Menschen nie isoliert. Sie schaut auf das soziale System, in dem jemand lebt. Das kann eine Familie, ein Paar, ein Team oder eine Organisation sein. Laut Wikipedia ist systemische Beratung ein Oberbegriff für viele Formate. Dazu zählen Sozialberatung, Paarberatung, Familienberatung, Mediation und Supervision.
Im Mittelpunkt stehen die Stärken und Ressourcen der Ratsuchenden. Deshalb heißt der Ansatz oft auch „ressourcenorientierte“ oder „lösungsorientierte“ Beratung. Typische Arbeitsfelder sind Erziehungsberatung, Suchtberatung, Jugendhilfe, Schulen, Kliniken und Unternehmen.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Psychotherapie. Systemische Beratung ist keine Heilbehandlung nach dem Psychotherapeutengesetz. Sie begleitet und stabilisiert, darf aber keinen Heilauftrag übernehmen.
Voraussetzungen für die Ausbildung zum systemischen Berater
Die Ausbildung ist kein staatlich geregelter Beruf. Die Standards setzen die großen Fachverbände. Die DGSF nennt in ihren Richtlinien diese Zugangswege:
- ein Hochschulabschluss plus psychosoziale Praxiserfahrung
- eine mindestens dreijährige Berufsausbildung im psychosozialen Bereich
- eine andere dreijährige Berufsausbildung plus drei Jahre Berufstätigkeit im psychosozialen oder beratenden Feld
- eine zweijährige Berufsausbildung plus drei Jahre Berufstätigkeit und eine weitere Fortbildung von mindestens 100 Unterrichtseinheiten
Als Hochschulabschluss zählen Bachelor, Master und Staatsexamen. Dazu kommt eine praktische Bedingung: Teilnehmende müssen während der Weiterbildung systemisch beraten können. Oft geschieht das im bestehenden Job, etwa in der Sozialarbeit oder Pädagogik.
Kurzantwort: Ohne Studium geht es auch. Die DGSF akzeptiert eine qualifizierte Berufsausbildung, meist in Verbindung mit Berufserfahrung im psychosozialen Bereich.
Ablauf: So ist die Weiterbildung aufgebaut
Die DGSF-Richtlinien legen genau fest, welche Bausteine die Weiterbildung „Systemische Beratung (DGSF)“ enthält. Eine Unterrichtseinheit dauert mindestens 45 Minuten.
| Baustein | Umfang | Inhalt |
|---|---|---|
| Theorie und Methodik | 220 UE | Grundlagen, Haltung, Auftragsklärung, Fragetechniken |
| Systemische Supervision | 100 UE | begleitete Reflexion der eigenen Beratungspraxis |
| Selbsterfahrung | 100 UE | Berufs- und Lebenssituation, Herkunftsfamilie |
| Praxis und Intervision | 150 UE | 80 UE Peergruppe, mindestens 70 Beratungsstunden |
| Gesamt | 570 UE | mindestens zwei Jahre |
Die Seminare finden meist als Blockseminare statt. Ein Weiterbildungstag zählt laut DGSF höchstens zehn Unterrichtseinheiten. Die Supervision läuft parallel zur eigenen Beratungspraxis. Wer Fälle bespricht, lernt die Methoden am echten Beispiel.
Abschluss und Zertifikat
Am Ende stehen eine schriftliche Abschlussarbeit, ein Kolloquium oder beides. Dazu müssen Teilnehmende drei abgeschlossene Beratungsprozesse ausführlich dokumentieren. Einer davon muss mindestens fünf Sitzungen umfassen.
Wer alle Bedingungen erfüllt, bekommt auf Antrag das Zertifikat. Es weist die Person als „Systemische*r Berater*in (DGSF)“ aus. Voraussetzung ist außerdem die Verpflichtung auf die Ethik-Richtlinien der DGSF.
Der zweite große Verband ist die Systemische Gesellschaft (SG). Ihre Rahmenrichtlinien gelten seit 1998 als Grundlage für SG-zertifizierte Weiterbildungen. Absolventen können dort einen SG-Weiterbildungsnachweis beantragen.
Kosten der Ausbildung zum systemischen Berater
Die Kosten legt jedes Institut selbst fest. Die DGSF schreibt vor, dass die Gesamtkosten in der Ausschreibung stehen müssen. Das macht Angebote gut vergleichbar.
Zwei geprüfte Beispiele für DGSF-Weiterbildungen aus dem Jahr 2026:
- ein Institut in Köln: 6.480 Euro für den Kurs ab September 2026
- ein Institut in Essen: 7.400 Euro für Blockseminare und Supervision, inklusive 200 Euro Aufnahmegebühr
Hinzu kommen je nach Wohnort Fahrt, Übernachtung und Literatur. Beim Vergleich lohnt der Blick darauf, was im Preis enthalten ist. Das Kölner Angebot nennt zum Beispiel ausdrücklich keine weiteren Kosten während der Weiterbildung.
Vom Berater zum Therapeuten: Aufbau-Weiterbildungen
Wer tiefer einsteigen will, hat eine größere Option. Die DGSF zertifiziert auch die Weiterbildung „Systemische Therapie und Beratung (DGSF)“ an. Sie dauert drei Jahre und umfasst mindestens 900 Unterrichtseinheiten.
Wer psychotherapeutisch mit Kassenzulassung arbeiten will, braucht dagegen eine Approbation. Das ist ein eigener Weg über Studium und Weiterbildung nach dem Psychotherapeutengesetz. Einen verwandten Weg beschreibt der Beitrag zur Ausbildung zum Traumatherapeuten.
Fazit
Die Ausbildung zum systemischen Berater dauert mindestens zwei Jahre und läuft neben dem Beruf. Voraussetzung ist meist ein Abschluss im psychosozialen Bereich. Die DGSF verlangt 570 Unterrichtseinheiten aus Theorie, Supervision, Selbsterfahrung und Praxis. Die Kosten liegen je nach Institut im mittleren vierstelligen Bereich. Ein Verbandszertifikat von DGSF oder SG sorgt für anerkannte Qualität.
FAQ – Häufige Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum systemischen Berater?
Nach den DGSF-Richtlinien mindestens zwei Jahre. Ein Kölner Kurs läuft zum Beispiel von September 2026 bis März 2029.
Wie viele Stunden umfasst die Weiterbildung?
Die DGSF verlangt mindestens 570 Unterrichtseinheiten zu je mindestens 45 Minuten.
Kann man ohne Studium systemischer Berater werden?
Ja. Eine dreijährige Berufsausbildung im psychosozialen Bereich reicht bei der DGSF als Zugang.
Was kostet die Ausbildung zum systemischen Berater?
Geprüfte Angebote für 2026 liegen bei 6.480 und 7.400 Euro. Nebenkosten kommen oft hinzu.
Ist systemischer Berater ein geschützter Titel?
Nein, staatlich geregelt ist er nicht. Deshalb sind Zertifikate von DGSF oder SG ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Darf ein systemischer Berater therapieren?
Nein. Beratung darf keinen Heilauftrag erfüllen. Psychotherapie setzt eine Approbation voraus.
Was ist der Unterschied zwischen DGSF und SG?
Beide sind Fachverbände für systemisches Arbeiten. Sie setzen jeweils eigene Standards für zertifizierte Weiterbildungen.
Wie viel Praxis gehört zur Weiterbildung?
Mindestens 70 Beratungsstunden unter Supervision und 80 Unterrichtseinheiten Intervision in Kleingruppen.
Gehört Selbsterfahrung zur Ausbildung?
Ja. Die DGSF schreibt 100 Unterrichtseinheiten Selbsterfahrung vor, auch zur eigenen Herkunftsfamilie.
Wo arbeiten systemische Berater?
Typisch sind Erziehungs- und Familienberatung, Jugendhilfe, Suchtberatung, Schulen und Unternehmen.
Quellen
- DGSF: Richtlinien und Satzung 2025/2026 (PDF)
- Systemische Gesellschaft: Weiterbildung nach SG-Standards
- Wikipedia: Systemische Beratung
Nico Thalmann erklaert fuer wissens-bote.de Zusammenhaenge, ohne sie zu vereinfachen.






