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Wie entsteht ADHS? Gene, Botenstoffe und Risikofaktoren

Kurzantwort: ADHS entsteht aus einem Zusammenspiel von Genen und Umwelt, wobei die Gene den größten Teil ausmachen: Die Erblichkeit wird laut Wikipedia auf 70 bis 80 Prozent geschätzt, mindestens 14 bis 15 Gene sind beteiligt. Im Gehirn ist die Signalübertragung mit den Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin beeinträchtigt, vor allem in Netzwerken für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Belohnung. Als Risikofaktoren gelten Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft, Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht. Erziehungsfehler oder Zucker verursachen kein ADHS.

Kaum eine Diagnose wird so oft erklärt wie ADHS, und kaum eine so oft falsch: zu viel Fernsehen, zu wenig Grenzen, zu viel Zucker. Die Forschung der letzten 30 Jahre zeichnet ein anderes Bild. ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die zu einem großen Teil in den Genen angelegt ist und deren Ausprägung Umweltfaktoren mitbestimmen.

Hier liest du, welche Rolle die Gene spielen, was im Gehirn anders läuft, welche Einflüsse vor und nach der Geburt das Risiko erhöhen, welche vermeintlichen Ursachen widerlegt sind, wie häufig ADHS ist und warum Jungen viel öfter diagnostiziert werden als Mädchen. Grundlage ist der Wikipedia-Artikel zu ADHS mit den Daten der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts.

Die Gene: der größte Anteil

Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen, dass ADHS in Familien gehäuft auftritt und dass diese Häufung überwiegend genetisch ist. Wikipedia fasst zusammen, dass „die Erblichkeit von ADHS auf 70 bis 80 Prozent geschätzt“ wird; der Rest entfällt auf Umwelteinflüsse. Es gibt dabei kein einzelnes ADHS-Gen. Laut Wikipedia sind „mindestens vierzehn bis fünfzehn Gene für die Ausbildung des ADHS von Bedeutung“, viele davon steuern den Dopaminhaushalt. Jede Variante erhöht das Risiko nur ein wenig; erst die Summe ergibt eine Veranlagung. Deshalb hat ein Kind mit einem betroffenen Elternteil ein deutlich höheres Risiko, aber keine Gewissheit.

Das Gehirn: Botenstoffe und Netzwerke

Nervenzellen kommunizieren über Botenstoffe, die in den Spalt zwischen zwei Zellen ausgeschüttet und wieder aufgenommen werden. Bei ADHS ist laut Wikipedia „die Weiterleitung von Signalen zwischen Nervenzellen durch biochemische Botenstoffe beeinträchtigt. Dies gilt insbesondere für die Übertragung durch Dopamin“, ebenso für Noradrenalin. Beide Stoffe regeln Aufmerksamkeit, Antrieb, Motivation und die Fähigkeit, eine Handlung zu unterdrücken.

Diese Störung ist keine Frage von Wollen oder Faulheit. Ein Kind mit ADHS kann sich bei spannenden Dingen stundenlang konzentrieren, weil das Belohnungssystem dort genug Antrieb liefert; bei langweiligen Aufgaben fehlt dieser Antrieb messbar.

Bildgebende Studien zeigen Veränderungen in großräumigen Netzwerken, die das Stirnhirn mit tieferen Hirnregionen verbinden. Vereinfacht: Das Belohnungssystem reagiert schwächer auf entfernte Ziele und stärker auf sofortige Reize, und die Bremse im Stirnhirn greift später. Genau das erklärt die typischen Symptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Medikamente wie Methylphenidat setzen an dieser Stelle an, indem sie die Dopaminmenge im Spalt erhöhen.

Umweltfaktoren vor und nach der Geburt

Die restlichen 20 bis 30 Prozent verteilen sich auf viele Einflüsse, die vor allem die frühe Hirnentwicklung betreffen:

  • Rauchen und Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft
  • Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, Sauerstoffmangel
  • Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht
  • Vermutet, aber schwächer belegt: Umweltgifte wie Blei, schwere Vernachlässigung im Säuglingsalter

Wichtig ist die Reihenfolge: Diese Faktoren treffen auf eine genetische Veranlagung. Ein Kind ohne Veranlagung entwickelt durch eine Frühgeburt in aller Regel kein ADHS, ein Kind mit Veranlagung bekommt durch sie ein zusätzliches Risiko.

Was ADHS nicht verursacht

Früher galten Erziehungsfehler als Ursache. Wikipedia vermerkt, dass diese Vorstellung überholt ist. Erziehung beeinflusst, wie gut ein Kind mit seinem ADHS zurechtkommt, sie erzeugt es nicht. Auch Zucker, Lebensmittelzusätze oder Impfungen sind als Ursache nicht belegt; einzelne Kinder reagieren auf bestimmte Zusatzstoffe mit mehr Unruhe, ein ADHS entsteht daraus nicht. Für Bildschirmzeit gilt: Sie verschlechtert die Aufmerksamkeit bei bestehenden Symptomen, als Auslöser ist sie nicht nachgewiesen.

Wie häufig ADHS ist

Die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts ermittelte laut Wikipedia bei 3- bis 17-Jährigen eine Diagnoserate von 4,8 Prozent, bei Jungen 7,9 Prozent, bei Mädchen 1,8 Prozent. Zu jedem Zeitpunkt sind „4 bis 5 mal so viele Jungen wie Mädchen diagnostiziert“. Ein Teil dieses Unterschieds ist echt, ein Teil liegt daran, dass Mädchen häufiger den unaufmerksamen Typ ohne Hyperaktivität zeigen und deshalb später oder gar nicht erkannt werden.

ADHS verschwindet mit dem Erwachsenwerden nur teilweise: 30 bis 50 Prozent der als Kinder Betroffenen zeigen auch als Erwachsene Symptome, wobei die Hyperaktivität oft einer inneren Unruhe weicht.

Wie die Diagnose gestellt wird

Es gibt keinen Bluttest und kein Hirnbild, das ADHS beweist. Die Diagnose stützt sich auf Verhaltensbeobachtung in mindestens zwei Lebensbereichen, etwa Schule und Familie, Fragebögen für Eltern und Lehrer, die Entwicklungsgeschichte und den Ausschluss anderer Ursachen wie Schlafstörungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Angststörungen. Die Symptome müssen vor dem 12. Lebensjahr begonnen haben und mindestens sechs Monate anhalten. Zuständig sind Kinder- und Jugendpsychiater, spezialisierte Kinderärzte und Psychotherapeuten. Bei Erwachsenen läuft die Diagnose ähnlich, zusätzlich wird rückblickend geprüft, ob die Symptome schon in der Kindheit bestanden.

Häufige Fragen

Ist ADHS erblich?

Zu einem großen Teil. Die Erblichkeit liegt nach Wikipedia bei 70 bis 80 Prozent, beteiligt sind mindestens 14 bis 15 Gene.

Kann man ADHS durch Erziehung verursachen?

Nein. Diese Annahme gilt als überholt. Erziehung beeinflusst den Umgang mit den Symptomen, nicht deren Entstehung.

Entsteht ADHS durch Zucker oder Bildschirme?

Für beides gibt es keinen Beleg als Ursache. Beides kann bestehende Symptome verstärken.

Warum haben mehr Jungen ADHS?

Laut KiGGS 7,9 Prozent Jungen gegenüber 1,8 Prozent Mädchen. Ein Teil ist biologisch, ein Teil liegt an der schwerer erkennbaren unaufmerksamen Form bei Mädchen.

Was passiert im Gehirn bei ADHS?

Die Signalübertragung mit Dopamin und Noradrenalin ist beeinträchtigt, Netzwerke für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle arbeiten anders.

Wächst sich ADHS aus?

Nur teilweise. 30 bis 50 Prozent der betroffenen Kinder haben auch als Erwachsene Symptome.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


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