Alzheimer's Disease

Wie entsteht Alzheimer? Amyloid, Tau und Risikofaktoren

Kurzantwort: Alzheimer entsteht, wenn sich im Gehirn zwei Eiweiße falsch falten und ablagern: Beta-Amyloid verklumpt außerhalb der Nervenzellen zu Plaques, Tau-Protein verknäuelt sich innerhalb der Zellen zu Fibrillen. Die Nervenzellen verlieren ihre Verbindungen und sterben, zuerst im Hippocampus, dem Gedächtniszentrum; das Gehirn schrumpft und der Botenstoff Acetylcholin fehlt. Der Prozess beginnt Jahre bis Jahrzehnte vor den ersten Symptomen. Hauptrisikofaktor ist das Alter, die Genvariante APOE-ε4 erhöht das Risiko auf das Zwei- bis Dreifache, die rein erbliche Form macht weniger als 1 Prozent der Fälle aus.

Ende 2023 lebten laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland, und bei 60 bis 70 Prozent von ihnen ist Alzheimer die Ursache. Trotz dieser Zahlen ist der Entstehungsmechanismus erst in Umrissen verstanden. Was sicher ist: Alzheimer beginnt lange vor dem ersten vergessenen Namen, und die Veränderungen im Gehirn folgen einem erkennbaren Muster.

Hier liest du, welche zwei Eiweiße die Krankheit prägen, was mit den Nervenzellen passiert, wann der Prozess beginnt, welche Risikofaktoren belegt sind, wie selten die erbliche Form ist und welche Zahlen für Deutschland gelten. Grundlage sind der Wikipedia-Artikel zur Alzheimer-Krankheit, das Informationsblatt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und die Alzheimer Forschung Initiative.

Zwei Eiweiße, zwei Ablagerungen

Beta-Amyloid ist ein Bruchstück des Amyloid-Vorläuferproteins APP, das in jeder Nervenzellmembran sitzt. Enzyme schneiden es regelmäßig heraus, normalerweise wird es abgebaut. Bei Alzheimer faltet sich das Bruchstück falsch, wird unlöslich und lagert sich zwischen den Zellen ab. Die Alzheimer Forschung Initiative beschreibt es so: Es „sammelt sich übermäßig viel Amyloid-beta zwischen den Gehirnzellen an und bildet kleinere, giftige Klumpen (Oligomere) und riesige Zusammenlagerungen (Plaques)“. Die kleinen Oligomere gelten heute als die eigentlich schädliche Form.

Tau-Protein stabilisiert im Inneren der Nervenzelle die Transportbahnen, über die Nährstoffe und Signalstoffe bewegt werden. Bei Alzheimer wird es laut Wikipedia überphosphoryliert, verliert seine Funktion und bildet fadenförmige Knäuel, die Neurofibrillen. Der Transport bricht zusammen, die Zelle verhungert von innen.

Wie die beiden Prozesse zusammenhängen, ist offen. Die verbreitete Amyloid-Kaskaden-Hypothese sieht das Amyloid als Auslöser, der die Tau-Veränderungen und das Zellsterben nach sich zieht. Dass Antikörper gegen Amyloid den Verlauf bisher nur wenig bremsen, spricht dafür, dass weitere Faktoren wie Entzündungsprozesse und Gefäßschäden mitwirken.

Was mit den Nervenzellen passiert

Zuerst gehen die Synapsen verloren, die Kontaktstellen zwischen den Zellen. Dann sterben die Zellen selbst. Besonders betroffen ist laut Alzheimer Forschung Initiative „anfangs die Hirnregion Hippocampus, die unter anderem für das Gedächtnis zuständig ist“. Deshalb sind Gedächtnislücken für neue Informationen das erste Symptom, während alte Erinnerungen lange erhalten bleiben. Mit dem Verlust von Neuronen im Nucleus basalis sinkt zudem der Spiegel des Botenstoffs Acetylcholin, den die gängigen Medikamente zu stützen versuchen. Über Jahre breitet sich der Zelluntergang auf Schläfen- und Scheitellappen aus, das Gehirn schrumpft messbar.

Wann der Prozess beginnt

Alzheimer ist keine Krankheit, die im Alter plötzlich auftritt. Die Alzheimer Forschung Initiative schreibt: „Die für Alzheimer typischen molekularen Prozesse im Gehirn beginnen Jahre oder Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome.“ Wikipedia zitiert eine Studie, nach der „schon acht Jahre bevor Alzheimer sicher diagnostiziert werden konnte, leichte Auffälligkeiten in neuropsychologischen Tests nachweisbar“ waren. Das Gehirn gleicht den Verlust lange aus, bis die Reserve aufgebraucht ist.

Risikofaktoren: Alter, Gene, Gefäße

Alter ist der mit Abstand wichtigste Faktor. Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft liegt die Demenzhäufigkeit bei 65- bis 69-Jährigen bei 1,85 Prozent, bei 80- bis 84-Jährigen bei 14,35 Prozent und bei über 90-Jährigen bei 36,32 Prozent.

APOE-Gen: Die Variante ε4 „steigert das Erkrankungsrisiko auf das 2- bis 3-Fache, zwei Kopien verzehnfachen es“, so Wikipedia. Sie ist kein Schicksal, viele Träger erkranken nie.

Gefäße und Stoffwechsel: Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht in der Lebensmitte, Rauchen und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko, weil sie die Durchblutung des Gehirns schädigen. Auch Schädel-Hirn-Verletzungen zählen dazu.

Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen, von den 1,8 Millionen Demenzkranken in Deutschland waren Ende 2023 knapp 1,2 Millionen Frauen, auch weil sie älter werden.

Die seltene erbliche Form

Mutationen in den Genen APP, PSEN1 und PSEN2 lösen Alzheimer mit Sicherheit aus, oft schon zwischen 40 und 60 Jahren. Sie sind laut Wikipedia für „5 bis 10 Prozent der Fälle mit frühem Beginn bzw. weniger als 1 Prozent aller Alzheimer-Erkrankungen“ verantwortlich. Für die große Mehrheit der Betroffenen gilt: Ein erkrankter Elternteil erhöht das Risiko etwas, vererbt die Krankheit aber nicht direkt.

Zahlen für Deutschland

Im Jahr 2023 erkrankten laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft etwa 445.000 Menschen über 65 neu an einer Demenz. Bleibt ein Durchbruch bei Prävention oder Therapie aus, könnten 2050 bis zu 2,7 Millionen Menschen über 65 betroffen sein. Beschrieben wurde die Krankheit 1906 von Alois Alzheimer anhand seiner Patientin Auguste Deter; die Plaques und Fibrillen, die er damals unter dem Mikroskop sah, sind bis heute die Kennzeichen der Diagnose.

Häufige Fragen

Ist Alzheimer erblich?

Die direkt vererbte Form macht weniger als 1 Prozent aus. Bei allen anderen erhöhen Genvarianten wie APOE-ε4 nur das Risiko.

Was sind Plaques und Fibrillen?

Plaques sind Ablagerungen aus Beta-Amyloid zwischen den Nervenzellen, Fibrillen sind Knäuel aus Tau-Protein in den Zellen.

Wie früh beginnt Alzheimer?

Die Ablagerungen entstehen Jahre bis Jahrzehnte vor den ersten Symptomen. Leichte Testauffälligkeiten sind etwa acht Jahre vorher messbar.

Warum leidet zuerst das Gedächtnis?

Weil der Hippocampus, das Gedächtniszentrum, als erste Region Nervenzellen verliert.

Wie viele Menschen haben Alzheimer in Deutschland?

Rund 1,8 Millionen Menschen leben mit Demenz, bei 60 bis 70 Prozent davon ist Alzheimer die Ursache.

Kann man vorbeugen?

Die Gefäßrisiken lassen sich beeinflussen: Blutdruck, Blutzucker, Bewegung, Nichtrauchen. Eine Garantie gibt es nicht.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


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