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Kurzantwort: Bei einer Supereruption wie vor 640.000 Jahren würde Yellowstone rund 1.000 Kubikkilometer Gestein und Asche ausstoßen. Die Umgebung in Wyoming, Montana und Idaho würde von Glutlawinen zerstört, große Teile der USA lägen unter Asche, und Schwefelaerosole würden das Weltklima laut USGS „für Jahre bis Jahrzehnte“ abkühlen, mit Ernteausfällen auch in Europa. Der USGS hält die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ausbruchs „in den nächsten paar tausend Jahren“ für äußerst gering. Wahrscheinlicher sind kleine Ereignisse: hydrothermale Explosionen wie am 23. Juli 2024 oder Lavaströme, zuletzt vor rund 70.000 Jahren.
Kaum ein Vulkan bekommt so viele Katastrophenfilme wie der unter dem Yellowstone-Nationalpark. Der Grund liegt in seiner Geschichte: Drei Ausbrüche in den letzten 2,1 Millionen Jahren gehören zu den größten, die die Erde in dieser Zeit gesehen hat. Was bei einem vierten passieren würde, lässt sich aus den Ablagerungen der alten Eruptionen ziemlich genau ableiten. Ob und wann er kommt, ist eine ganz andere Frage.
Hier liest du, was die drei großen Ausbrüche angerichtet haben, wie eine Supereruption ablaufen würde, welche Folgen Nordamerika und Europa treffen würden, was der US-Geologiedienst USGS zur Wahrscheinlichkeit sagt und warum kleine Explosionen im Park deutlich realistischer sind. Zahlen stammen aus dem Wikipedia-Artikel zum Yellowstone-Vulkan und den FAQ des USGS.
Drei Ausbrüche, drei Calderen
- Vor 2,1 Millionen Jahren: Der Huckleberry-Ridge-Ausbruch förderte laut Wikipedia ursprünglich geschätzt rund 2.500 Kubikkilometer Material, neuere Studien teilen ihn in mehrere Phasen von 1.340, 820 und 290 Kubikkilometern. Die Caldera maß etwa 80 mal 50 Kilometer.
- Vor 1,3 Millionen Jahren: Der Mesa-Falls-Ausbruch war mit 280 Kubikkilometern der kleinste der drei.
- Vor 640.000 Jahren: Der Lava-Creek-Ausbruch hinterließ die heutige Caldera von 80 Kilometern Länge und 55 Kilometern Breite und etwa 1.000 Kubikkilometer Ignimbrit, verfestigte Glutwolkenablagerungen.
Zum Vergleich: Ein Kubikkilometer entspricht einem Würfel mit einem Kilometer Kantenlänge. Eine Eruption von 1.000 Kubikkilometern würde ganz Deutschland etwa drei Meter hoch bedecken, wäre das Material gleichmäßig verteilt.
So würde eine Supereruption ablaufen
Unter dem Park liegen zwei Magmakammern. Die obere hat laut Wikipedia rund 10.000 Kubikkilometer Volumen, von denen etwa 9 Prozent geschmolzen sind; die untere rund 46.000 Kubikkilometer mit etwa 2 Prozent Schmelze. Für einen Ausbruch müsste sich deutlich mehr Schmelze ansammeln, was Jahrhunderte bis Jahrtausende dauert und sich messen ließe.
Käme es dazu, würde der Ablauf den alten Eruptionen folgen: Zuerst reißen Spalten auf, Gas und Bims schießen als Eruptionssäule Dutzende Kilometer hoch. Dann kollabiert die Säule, und Glutlawinen aus heißem Gas und Asche rasen mit mehreren hundert Kilometern pro Stunde über das Land. Am Ende bricht das Dach der entleerten Magmakammer ein, die Caldera entsteht.
Folgen für Nordamerika
Der USGS beschreibt es so: Die Teile von Montana, Idaho und Wyoming, die dem Park am nächsten liegen, würden von pyroklastischen Strömen getroffen, „während andere Orte in den Vereinigten Staaten von fallender Asche betroffen wären“. Bei den früheren Ausbrüchen bedeckten winzige Aschepartikel „einen Großteil der westlichen Hälfte Nordamerikas“. Asche verstopft Motoren und Filter, bringt Dächer zum Einsturz, vergiftet Weiden und legt Flughäfen lahm. Die Landwirtschaft der Great Plains, eine der Kornkammern der Welt, läge unter einer Schicht aus Glasstaub.
Folgen für Europa und das Klima
Asche würde Europa kaum erreichen, der Atlantik ist zu breit. Was ankommt, ist die Klimawirkung: Schwefeldioxid steigt in die Stratosphäre, bildet Aerosole und reflektiert Sonnenlicht. Der USGS rechnet mit „kurzfristigen (Jahre bis Jahrzehnte) Veränderungen des globalen Klimas“. Schon der viel kleinere Ausbruch des Tambora 1815 führte 1816 zum „Jahr ohne Sommer“ mit Missernten in Europa. Eine Supereruption würde diesen Effekt um ein Vielfaches übertreffen: kühlere Sommer, Frost im Juli, Ernteausfälle über mehrere Jahre und entsprechend steigende Lebensmittelpreise weltweit.
Wie wahrscheinlich ist das?
Der USGS formuliert es eindeutig: „Die Chancen für diese Art von Eruption in Yellowstone sind in den nächsten paar tausend Jahren äußerst gering.“ Die Vorstellung, der Vulkan sei „überfällig“, beruht auf einem Rechenfehler: Drei Ausbrüche ergeben zwei Intervalle von 800.000 und 660.000 Jahren, daraus lässt sich kein Fahrplan ableiten. Der Park wird zudem lückenlos überwacht. Laut Wikipedia registrieren die Messgeräte „jährlich bis zu 2.000 meist schwache Erdbeben“ und Bodenbewegungen von durchschnittlich 2 Zentimetern im Jahr. Beides sind normale Zeichen eines aktiven Systems, keine Vorboten.
Die realistischen Szenarien
Zwischen den großen Ausbrüchen war Yellowstone nie still. Von vor 180.000 bis vor 70.000 Jahren flossen laut Wikipedia rhyolitische Laven mit insgesamt 600 Kubikkilometern aus, zäh und langsam, ohne Aschewolken. Ein solcher Lavastrom wäre für den Park ein Problem, für die Welt keins. Noch häufiger sind hydrothermale Explosionen, bei denen überhitztes Grundwasser schlagartig verdampft und Krater von einigen Metern bis einigen hundert Metern reißt. Die letzte dokumentierte Dampfexplosion ereignete sich am 23. Juli 2024 im Biscuit Basin, verletzt wurde niemand. Das ist die Gefahr, mit der Parkbesucher tatsächlich rechnen müssen.
Häufige Fragen
Wann bricht Yellowstone das nächste Mal aus?
Niemand weiß es. Der USGS hält eine Supereruption in den nächsten Jahrtausenden für äußerst unwahrscheinlich, und ein Ausbruch würde sich Jahre vorher durch Beben und Hebung ankündigen.
Würde ein Ausbruch Deutschland treffen?
Nicht durch Asche, aber durch die Klimaabkühlung mit kühlen Sommern und Ernteausfällen über mehrere Jahre.
Wie groß war der letzte Ausbruch?
Vor 640.000 Jahren wurden rund 1.000 Kubikkilometer Material gefördert und eine Caldera von 80 mal 55 Kilometern gebildet.
Ist Yellowstone überfällig?
Nein. Zwei Intervalle von 800.000 und 660.000 Jahren ergeben keinen Zyklus, und die Magmakammer ist nur zu 9 Prozent geschmolzen.
Was ist eine hydrothermale Explosion?
Überhitztes Wasser im Untergrund verdampft schlagartig und sprengt einen Krater. Das passiert im Park regelmäßig, zuletzt am 23. Juli 2024.
Könnte man den Ausbruch verhindern?
Nein. Vorschläge, die Magmakammer zu kühlen, sind Gedankenspiele ohne technische Grundlage.
Quellen
- Wikipedia: Yellowstone (Vulkan)
- USGS: What would happen if a supervolcano eruption occurred again at Yellowstone?
- Wikipedia: Supervulkan
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Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.







