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Kurzantwort: Kommt Wasser in die Luftröhre, verschließt sich der Kehlkopf reflexartig und ein Hustenanfall befördert es wieder heraus. Kleine Mengen, die trotzdem bis in die Lungenbläschen gelangen, nimmt das Gewebe auf; das ist unangenehm, aber harmlos. Große Mengen waschen den Surfactant aus, die Lungenbläschen fallen zusammen, der Sauerstoffaustausch bricht ein. Das ist Ertrinken, und Bewusstlosigkeit folgt innerhalb von Minuten. Wer nach dem Verschlucken weiter hustet, schwer atmet, Fieber bekommt oder auffällig müde ist, sollte zum Arzt, weil sich eine Aspirationspneumonie entwickeln kann.
Ein Schluck Wasser im falschen Hals beim Schwimmen, ein Kind, das im Planschbecken untertaucht, ein Schluckauf beim Trinken: Wasser in den Atemwegen erlebt jeder irgendwann. Meistens endet es mit rotem Kopf und Tränen in den Augen. Der Körper hat für diesen Fall mehrere Schutzstufen, und erst wenn alle versagen, wird es gefährlich.
Hier liest du, wie der Schutzreflex funktioniert, was kleine und große Wassermengen in der Lunge anrichten, warum die Begriffe „trockenes“ und „sekundäres“ Ertrinken in der Medizin nicht mehr verwendet werden, welche Warnzeichen nach einem Badeunfall zählen und was bei der Ersten Hilfe richtig ist. Grundlage sind die Wikipedia-Artikel zu Ertrinken, Aspiration und Aspirationspneumonie sowie die Statistik der DLRG.
Der Reflex: Kehlkopf zu, Husten an
Beim Schlucken legt sich der Kehldeckel über die Luftröhre. Gerät trotzdem Flüssigkeit an den Kehlkopfeingang, löst das laut Wikipedia „einen augenblicklichen Verschluss des Kehldeckels“ aus, den Laryngospasmus. Gleichzeitig startet der Hustenreflex, der die Luft mit hoher Geschwindigkeit nach außen presst und das Wasser mitreißt. Dieser Mechanismus fängt den größten Teil aller Zwischenfälle ab. Er fällt aus, wenn jemand bewusstlos ist, stark alkoholisiert oder eine Schluckstörung hat, deshalb sind diese Gruppen besonders gefährdet.
Kleine und große Mengen: der Unterschied
Ob ein Schluck Wasser in der Lunge harmlos oder lebensbedrohlich ist, entscheidet fast allein die Menge und die Frage, ob die Atmung weiterläuft.
Kleine Mengen
Gelangen wenige Milliliter an der Stimmritze vorbei, verteilen sie sich in den Bronchien. Das Flimmerepithel, ein Teppich aus winzigen Härchen, transportiert die Flüssigkeit zusammen mit Schleim wieder nach oben, wo sie abgehustet oder verschluckt wird. Was bis in die Lungenbläschen gelangt, wird vom Gewebe aufgenommen und über das Blut abtransportiert. Ob Süß- oder Salzwasser, spielt dabei laut Wikipedia keine relevante Rolle: „Die resorbierten Wassermengen und daraus resultierenden Elektrolytstörungen sind meist nicht relevant.“ Nach einigen Minuten Husten ist der Spuk vorbei.
Große Mengen
Wird Wasser eingeatmet statt geschluckt, etwa beim Untergehen, wechseln sich Luft und Wasser in den Atemwegen ab. Das Wasser spült den Surfactant aus, einen Film aus Fetten und Eiweißen, der die Lungenbläschen offen hält. Ohne ihn fallen die Bläschen zusammen, Ärzte sprechen von Atelektasen. Gleichzeitig tritt Flüssigkeit ins Lungengewebe über, ein Lungenödem entsteht. Beides blockiert den Gasaustausch. Das Hauptproblem ist laut Wikipedia „Hypoxie infolge des fehlenden Sauerstoffs“, also der Sauerstoffmangel im Gehirn und im Herzen. Bewusstlosigkeit tritt innerhalb weniger Minuten ein, Herzstillstand folgt.
Wie viel Wasser dabei tatsächlich in der Lunge landet, ist für den Verlauf weniger entscheidend als die Dauer ohne Sauerstoff. Deshalb zählt bei der Rettung jede Sekunde.
„Trockenes“ und „sekundäres“ Ertrinken
Im Internet kursieren Berichte über Kinder, die Stunden nach dem Baden an „sekundärem Ertrinken“ gestorben seien. Die Fachwelt hat diese Begriffe aufgegeben. Laut Wikipedia wird „die Attributierung eines Ertrinkungsfalls mit ‚beinahe‘, ‚nass‘, ‚trocken‘, ‚sekundär‘, ‚aktiv‘ und ‚still‘ nicht empfohlen“, weil sie der Definition der Weltgesundheitsorganisation widersprechen. Was es tatsächlich gibt, ist eine verzögerte Reaktion der Lunge auf aspiriertes Wasser: Entzündung, Lungenödem oder eine Aspirationspneumonie. Diese Komplikationen kündigen sich an, sie kommen nicht aus dem Nichts.
Warnzeichen nach einem Badeunfall
Nach einem Zwischenfall, bei dem jemand unter Wasser war oder lange gehustet hat, achtest du in den folgenden Stunden auf:
- anhaltenden oder wiederkehrenden Husten
- schnelle, angestrengte oder rasselnde Atmung
- Brustschmerzen
- ungewöhnliche Müdigkeit, Verwirrtheit oder Erbrechen
- Fieber, auch erst am nächsten Tag
Eines dieser Zeichen reicht für den Arztbesuch, bei Atemnot oder Bewusstseinsstörungen für den Notruf 112. Bleibt alles ruhig, ist keine Kontrolle nötig.
Erste Hilfe: Was hilft, was schadet
Bei einem bewusstlosen, aber atmenden Menschen: stabile Seitenlage, Notruf. Bei Atemstillstand: sofort Herz-Lungen-Wiederbelebung, bei Ertrunkenen beginnend mit fünf Beatmungen, weil Sauerstoffmangel das Kernproblem ist. Versuche, das Wasser aus der Lunge zu drücken oder die Person über das Knie zu legen, sind laut Wikipedia „nicht angezeigt“, sie kosten Zeit und bringen nichts. Auch nach langer Zeit im kalten Wasser lohnt die Wiederbelebung: Durch Unterkühlung dauert es bei 10 Grad Wassertemperatur laut Wikipedia etwa eine Stunde bis zur Bewusstlosigkeit, und unterkühlte Körper überstehen Sauerstoffmangel länger.
Wer besonders gefährdet ist
Die DLRG zählte 2021 in Deutschland 299 Ertrunkene, 2019 waren es 417, 2018 sogar 504. Kinder zwischen einem und vier Jahren tauchen in der Aspirationsstatistik überdurchschnittlich auf, ebenso Menschen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, Personen mit Schluckstörungen nach Schlaganfall und Bewusstlose. Bei Kleinkindern reichen wenige Zentimeter Wasser im Planschbecken oder in der Badewanne.
Häufige Fragen
Ist es gefährlich, sich beim Trinken zu verschlucken?
Nein. Der Hustenreflex befördert das Wasser wieder heraus, kleine Reste nimmt die Lunge auf.
Wie lange dauert es, bis man ertrinkt?
Bewusstlosigkeit tritt nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff ein. Bei kaltem Wasser verlängert sich die Überlebenszeit deutlich.
Gibt es sekundäres Ertrinken?
Als eigenes Krankheitsbild nicht. Es gibt verzögerte Lungenkomplikationen nach Aspiration, die sich durch Husten, Atemnot oder Fieber ankündigen.
Muss mein Kind nach dem Untertauchen zum Arzt?
Nur bei Warnzeichen wie anhaltendem Husten, schneller Atmung, Müdigkeit oder Fieber. Ohne Symptome ist keine Untersuchung nötig.
Macht Salzwasser einen Unterschied?
Für den Verlauf praktisch nicht. Entscheidend ist die Dauer des Sauerstoffmangels.
Soll ich einem Ertrunkenen das Wasser aus der Lunge drücken?
Nein. Sofort mit der Wiederbelebung beginnen, Beatmung zuerst, und den Notruf wählen.
Quellen
- Wikipedia: Ertrinken
- Wikipedia: Aspiration (Medizin)
- Wikipedia: Aspirationspneumonie
- Wikipedia: Surfactant
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Was passiert, wenn Yellowstone ausbricht? Asche, Klima, Risiko
- Was passiert, wenn man zu viel Wasser trinkt? Hyponatriämie
- Was passiert, wenn man Schimmel isst? Risiko, Symptome, Regeln
Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.







