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Was passiert, wenn zu viel Chlor im Pool ist? Werte und Abhilfe

Kurzantwort: Zu viel Chlor reizt Augen, Haut und Atemwege, bleicht Badekleidung aus und greift Poolfolie und Pumpe an. Die DIN 19643 für öffentliche Bäder sieht 0,3 bis 0,6 Milligramm freies Chlor je Liter vor, in Warmsprudelbecken 0,7 bis 1,0 mg/l, bei einem pH-Wert von 6,5 bis 7,5. Der beißende Geruch stammt übrigens meist von Chloraminen, die entstehen, wenn Chlor mit Schweiß und Urin reagiert; gebundenes Chlor darf höchstens 0,2 mg/l betragen. Bei Überdosierung gilt: Chlorzugabe stoppen, nicht baden, Sonne und Zeit wirken lassen oder mit Natriumthiosulfat neutralisieren.

Ein Schockchloren nach dem Gewitter, eine Chlortablette zu viel im Skimmer oder ein Dosiergerät, das hängt: Zu viel Chlor im Pool passiert schnell. Die meisten merken es an den Augen der Kinder oder daran, dass der neue Bikini nach einer Woche fahl ist. Gefährlich wird es selten, unangenehm dagegen sofort, und die Poolausstattung leidet mit.

Hier liest du, was Chlor im Wasser tut, welche Werte gelten, woran du eine Überdosierung erkennst, warum der Chlorgeruch ein Warnsignal für zu wenig statt zu viel Chlor sein kann, wie du den Wert senkst und wie du ihn künftig stabil hältst. Die Grenzwerte stammen aus der DIN 19643, zitiert nach Wikipedia; die Angaben zu Chloraminen aus dem Wikipedia-Artikel zu Trichloramin.

Was Chlor im Poolwasser macht

Chlor wird als Natrium- oder Calciumhypochlorit oder als organische Chlorverbindung zugegeben. Im Wasser entsteht hypochlorige Säure, die Zellwände von Bakterien, Viren und Algen zerstört. Dieses wirksame Chlor heißt freies Chlor. Sobald es mit Schmutz, Schweiß, Sonnencreme oder Urin reagiert, wird es zu gebundenem Chlor, das kaum noch desinfiziert, aber stark riecht und reizt. Beide zusammen ergeben das Gesamtchlor, das einfache Teststreifen anzeigen.

Welche Werte gelten

Für öffentliche Bäder gilt die DIN 19643. Laut Wikipedia schreibt sie vor:

  • freies Chlor im Schwimmbecken: 0,3 bis 0,6 mg/l
  • freies Chlor im Warmsprudelbecken: 0,7 bis 1,0 mg/l
  • gebundenes Chlor: höchstens 0,2 mg/l
  • pH-Wert: 6,5 bis 7,5

Private Pools unterliegen der Norm nicht, Hersteller von Pflegemitteln orientieren sich aber daran und geben für Gartenpools ohne Dauerumwälzung meist einen etwas höheren Zielbereich an; die Angabe steht auf jeder Packung. Schon ein Mehrfaches des Richtwerts macht sich an Augen und Haut bemerkbar. Nach einer Stoßchlorung, bei der der Wert absichtlich kurzzeitig weit über den Normalbereich steigt, badest du erst wieder, wenn die Messung im Zielbereich liegt. Der pH-Wert ist dabei ebenso wichtig wie die Chlormenge: Die desinfizierende hypochlorige Säure hat einen pKs-Wert von etwa 7,5, oberhalb davon liegt mehr als die Hälfte des Chlors als deutlich schwächeres Hypochlorit vor. Deshalb wirkt dieselbe Chlormenge bei pH 8 spürbar schlechter als bei pH 7.

Woran du zu viel Chlor erkennst

  • Augen: Brennen und Rötung schon nach kurzem Baden, nicht erst nach einer Stunde.
  • Haut: Trockenheit, Juckreiz, bei empfindlichen Menschen Ausschlag.
  • Atemwege: Husten und Kratzen im Hals, vor allem bei Innenpools oder Abdeckungen.
  • Haare und Textilien: Ausgeblichene Badekleidung, strohige Haare, bei blondierten Haaren ein Grünstich durch Kupfer, das Chlor aus Leitungen löst.
  • Material: Poolfolie wird spröde, Dichtungen und Edelstahlteile korrodieren, der Chlorgeruch hängt über dem Becken.

Sicherheit gibt nur die Messung: Teststreifen für freies und gesamtes Chlor kosten wenige Euro, ein Photometer misst genauer. Miss immer an derselben Stelle, etwa 30 Zentimeter unter der Oberfläche und fern vom Skimmer, sonst schwanken die Werte von Tag zu Tag ohne echten Grund.

Der Chlorgeruch: oft ein Zeichen für zu wenig Chlor

Reines Chlorwasser in richtiger Dosis riecht kaum. Der typische Hallenbadgeruch stammt laut Wikipedia von Chloraminen, vor allem Trichloramin: Es entsteht „durch die Reaktion mit Harnstoff aus menschlichen Ausscheidungen als Nebenprodukt“ und „reizt die Augen, Atemwege und Schleimhäute“. Riecht dein Pool stark, ist meist das freie Chlor verbraucht und das gebundene zu hoch. Die Lösung ist dann paradox: eine Stoßchlorung, die die Chloramine zerstört, danach normalisiert sich der Wert. Duschen vor dem Baden senkt den Eintrag von Schweiß und Cremes deutlich.

So senkst du den Chlorwert

  1. Chlorzugabe stoppen: Tabletten aus Skimmer und Dosierschwimmer nehmen, Dosieranlage abschalten.
  2. Abdeckung runter: UV-Licht baut freies Chlor innerhalb weniger Stunden ab. An einem sonnigen Tag halbiert sich der Wert oft von selbst.
  3. Filter laufen lassen: Umwälzung beschleunigt den Abbau und verteilt Restchlor gleichmäßig.
  4. Frischwasser: Bei stark überdosierten Becken einen Teil ablassen und nachfüllen. Achtung: Nachfüllwasser kann den pH-Wert verschieben.
  5. Neutralisieren: Natriumthiosulfat aus dem Poolhandel bindet freies Chlor sofort. Vorsichtig dosieren, sonst kippt das Becken ins andere Extrem.

Danach messen, pH auf 7,0 bis 7,4 einstellen, erst dann wieder baden.

Gefahr beim Umgang mit Chlorprodukten

Die größte Gefahr geht vom Lagern und Mischen der Chemie aus, weniger vom Poolwasser selbst. Chlorgranulat mit Säure, etwa pH-Minus, setzt Chlorgas frei, das die Lunge schwer schädigt. Niemals verschiedene Produkte im selben Eimer anrühren, Chlor immer ins Wasser geben statt Wasser auf Chlor, und Gebinde trocken, kühl und getrennt von Säuren lagern. Wer beim Öffnen eines Eimers hustet und Augenbrennen bekommt, hat bereits zu viel abbekommen und sollte an die frische Luft.

Häufige Fragen

Wie viel Chlor ist im Pool normal?

Nach DIN 19643 0,3 bis 0,6 mg/l freies Chlor in öffentlichen Becken; im Gartenpool nennen Hersteller meist 0,5 bis 1,0 mg/l.

Ist es gefährlich, in zu viel Chlor zu baden?

Bei leicht erhöhten Werten reizt es Haut und Augen. Nach einer Stoßchlorung oder bei brennenden Augen bleibt das Becken tabu, bis die Messung wieder im Zielbereich liegt; Kinder reagieren empfindlicher.

Wie lange dauert es, bis Chlor abgebaut ist?

Je nach Sonne und Ausgangswert Stunden bis wenige Tage, mit Neutralisator wenige Minuten. Die Messung entscheidet.

Warum riecht mein Pool nach Chlor?

Wegen Chloraminen aus Chlor und Schweiß oder Urin. Das zeigt zu viel gebundenes und meist zu wenig freies Chlor an.

Was passiert mit Badekleidung bei zu viel Chlor?

Chlor bleicht Farbstoffe und macht Elastan brüchig. Nach dem Baden kalt ausspülen hilft.

Kann ich den Pool ohne Chlor betreiben?

Alternativen sind Aktivsauerstoff, Brom, Salzelektrolyse oder UV-Anlagen. Alle brauchen ebenfalls Messung und Pflege.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


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