Warum ist Gold so wertvoll? Seltenheit, Chemie und Vertrauen

Kurzantwort: Gold ist so wertvoll, weil es selten, beständig und weltweit anerkannt ist. Die Erdkruste enthält im Schnitt nur 4 Gramm Gold je 1.000 Tonnen Gestein, und alles je geförderte Gold passt in einen Würfel mit 22 Metern Kantenlänge. Gold rostet nicht und übersteht Jahrtausende ohne Schaden. Zentralbanken und Anleger vertrauen ihm deshalb als Wertspeicher, am 26. Januar 2026 kostete eine Feinunze erstmals mehr als 5.000 US-Dollar.

Gold hat im Alltag wenig praktischen Nutzen. Du kannst es weder essen noch verheizen, und als Werkstoff ist es zu weich für Werkzeuge. Trotzdem gilt es seit mehr als 6.000 Jahren als kostbar.

Der Wert entsteht aus drei Eigenschaften, die zusammenkommen. Gold ist knapp, es zerfällt nicht, und alle Kulturen der Welt akzeptieren es als Zahlungsmittel. Fehlt eine dieser drei Eigenschaften, bricht der Wert weg.

Hier findest du die Zahlen hinter jeder dieser Eigenschaften, von der Menge in der Erdkruste bis zu den Goldreserven der Bundesbank.

Gold ist selten

Die kontinentale Erdkruste enthält laut Wikipedia 4 ppb Gold. Das sind 4 Gramm auf 1.000 Tonnen Gestein. In Lagerstätten, die sich abbauen lassen, liegt der Gehalt bei einigen Gramm pro Tonne. Bei hohem Goldpreis lohnt sich sogar Erz mit nur einem Gramm Gold pro Tonne.

Bis Ende 2024 hat die Menschheit schätzungsweise 216.265 Tonnen Gold gefördert. Das klingt nach viel, ergibt aber nur einen Würfel mit 22,37 Metern Kantenlänge. Pro Kopf der Weltbevölkerung sind das rund 26,5 Gramm, etwas mehr als ein Kubikzentimeter.

Der US-Geologiedienst USGS schätzt die weltweite Minenförderung 2024 auf 3.300 Tonnen. Die bekannten, wirtschaftlich abbaubaren Reserven beziffert er auf 64.000 Tonnen. Bei gleichbleibender Förderung reicht das rechnerisch für rund 19 Jahre, wobei neue Funde und Recycling die Frist verlängern.

Land Förderung 2024 (Tonnen)
China 380
Russland 310
Australien 290
Kanada 200
USA 160
Welt gesamt 3.300

Quelle der Tabelle ist der USGS-Bericht Mineral Commodity Summaries vom Januar 2025. Die fünf größten Förderländer stehen zusammen für 41 Prozent der Weltproduktion.

Gold vergeht nicht

Gold ist chemisch reaktionsträge. Gewöhnliche Mineralsäuren greifen es nicht an. Nur stark oxidierende Gemische wie Königswasser, eine Mischung aus Salzsäure und Salpetersäure, lösen es auf. Deshalb rostet Gold nicht, läuft nicht an und behält seinen Glanz.

Die ältesten bekannten Goldobjekte stammen aus dem Gräberfeld von Warna in Bulgarien. Sie sind zwischen 4600 und 4300 v. Chr. entstanden und glänzen nach mehr als 6.000 Jahren noch immer.

Dazu kommt die Dichte von 19,32 Gramm pro Kubikzentimeter. Ein Liter Gold wiegt gut 19 Kilogramm. Das Metall schmilzt bei 1.064 Grad Celsius, ist unlegiert weich wie Zinn und lässt sich zu Blattgold von 100 Nanometern Stärke ausschlagen. Aus einem Gramm Gold lässt sich laut Bundesbank ein 24 Kilometer langer Faden ziehen. Diese Eigenschaften machten es früh zum idealen Werkstoff für Schmuck und Münzen.

Gold war jahrtausendelang Geld

Gold zählt zu den ersten Metallen, die Menschen verarbeitet haben. Weil es gediegen in der Natur vorkommt, ließ es sich ohne Verhüttung gewinnen. Viele Kulturen nutzten es für rituelle Gegenstände, Schmuck und später für Münzen.

Im 20. Jahrhundert war Gold noch die Basis des Weltwährungssystems. In den USA entsprachen lange 20,67 US-Dollar einer Unze Gold. 1934 wertete die Regierung den Dollar ab und legte den Preis auf 35 US-Dollar je Feinunze fest. Das Abkommen von Bretton Woods bestätigte dieses Verhältnis 1944. Deutschland trat dem System 1952 bei.

1971 beendete US-Präsident Nixon das Versprechen, Dollar jederzeit in Gold zu tauschen. Im August 1973 endete das System endgültig. Seitdem ist keine Währung der Welt mehr durch Gold gedeckt. Der Marktpreis bildet sich frei aus Angebot und Nachfrage.

Warum Zentralbanken trotzdem Gold horten

Die Deutsche Bundesbank hielt zum 31. Dezember 2021 insgesamt 3.359 Tonnen Gold im Wert von 173,8 Milliarden Euro. Das ist der zweitgrößte Bestand einer Notenbank weltweit. Gold macht rund 66 Prozent der deutschen Währungsreserven aus.

Die Bundesbank begründet das so. Gold ist ein Sachwert, der weltweit akzeptiert wird. Es hat kein Ausfallrisiko, weil kein Schuldner dahintersteht, der pleitegehen könnte. Und es dient als Vertrauensanker für die Bilanz einer Notenbank. Insgesamt liegen laut Wikipedia rund 17,5 Prozent des jemals geförderten Goldes in den Tresoren von Zentralbanken.

Seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine kaufen Notenbanken noch mehr. Die Sanktionen des Westens haben gezeigt, wie schnell Guthaben auf Konten eingefroren werden können. Gold im eigenen Tresor lässt sich nicht einfrieren.

Wer Gold kauft

Der USGS teilt die weltweite Nachfrage 2024 wie folgt auf. 45 Prozent gehen in Schmuck, 21 Prozent an Zentralbanken und andere Institutionen, 19 Prozent in Barren, 7 Prozent in Münzen und Medaillen und 6 Prozent in Elektronik. Indien und China stehen zusammen für über die Hälfte der Schmucknachfrage.

Recycling spielt eine große Rolle. Allein in den USA wurden 2024 rund 90 Tonnen Gold aus Alt- und Neuschrott zurückgewonnen. Das entspricht etwa 45 Prozent des dortigen Verbrauchs. Weil Gold nicht zerfällt, lässt es sich beliebig oft einschmelzen und neu verarbeiten.

Warum der Preis immer weiter steigt

Der Goldpreis reagiert auf Unsicherheit. 2020 lag der Jahresdurchschnitt laut USGS bei 1.774 US-Dollar je Feinunze, 2023 bei 1.945 US-Dollar. 2024 waren es 2.400 US-Dollar, ein Plus von 23 Prozent und ein Rekordwert.

Am 26. Januar 2026 kostete die Feinunze laut tagesschau.de kurzzeitig 5.093 US-Dollar. Als Gründe nennen Analysten die Konflikte um Grönland, den Iran und Venezuela, die Zollpolitik der US-Regierung und die Goldkäufe der Notenbanken. Dazu kommt die Angst vieler Anleger, die Rally zu verpassen.

Gold wirft keine Zinsen ab und keine Dividende. Sein Preis steigt, wenn das Vertrauen in Währungen und Staaten sinkt. Darin liegt sein Wert. Gold ist die Versicherung gegen alles, was schiefgehen kann.

Häufige Fragen

Wie viel Gold gibt es auf der Welt?

Bis Ende 2024 wurden schätzungsweise 216.265 Tonnen gefördert. Die bekannten Reserven im Boden liegen laut USGS bei weiteren 64.000 Tonnen.

Warum rostet Gold nicht?

Gold reagiert kaum mit anderen Stoffen. Sauerstoff und gewöhnliche Säuren greifen es nicht an. Nur Königswasser aus Salzsäure und Salpetersäure löst es auf.

Wie viel Gold besitzt Deutschland?

Die Bundesbank hielt Ende 2021 insgesamt 3.359 Tonnen, gelagert in Frankfurt, London und New York. Das ist der zweitgrößte Bestand einer Notenbank weltweit.

Geht das Gold irgendwann aus?

Die bekannten Reserven reichen bei 3.300 Tonnen Förderung pro Jahr rechnerisch rund 19 Jahre. Neue Funde und Recycling verschieben diesen Zeitpunkt. Weil Gold nicht zerfällt, lässt sich das geförderte Gold außerdem immer wieder neu verwenden.

Warum steigt der Goldpreis in Krisen?

Gold hängt an keinem Schuldner und keiner Regierung. Wenn Anleger Währungen oder Staatsanleihen misstrauen, kaufen sie Gold. Die Nachfrage steigt, der Preis auch.

Wofür wird Gold heute verwendet?

Laut USGS gingen 2024 rund 45 Prozent in Schmuck, 21 Prozent an Zentralbanken, 19 Prozent in Barren, 7 Prozent in Münzen und 6 Prozent in Elektronik.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.

Nach oben scrollen