Warum ist Honig nicht vegan? Definition, Bienen und Zahlen

Kurzantwort: Honig ist nicht vegan, weil er ein tierisches Erzeugnis ist. Bienen stellen ihn aus Nektar her, mit Enzymen aus ihren eigenen Drüsen, und lagern ihn als Wintervorrat ein. Die Vegan Society schloss Honig schon in ihrem Gründungsmanifest von 1944 aus. Die Definition der deutschen Verbraucherschutzminister von 2016 zählt jedes Erzeugnis tierischen Ursprungs als nicht vegan. Für Vegetarier gilt Honig dagegen als erlaubt.

Honig wirkt harmlos. Er steht im Bioladen neben der Marmelade, und der Imker im Dorf hängt an seinen Völkern. Trotzdem steht Honig auf keiner veganen Liste.

Der Grund liegt in der Definition. Vegan heißt Verzicht auf alles, was ganz oder zum Teil vom Tier gewonnen wird. Honig entsteht im Körper der Biene. Damit ist er ein tierisches Produkt wie Milch oder Ei.

Dazu kommt die Praxis der Imkerei. Bienen legen Honig als Vorrat für den Winter an. Der Imker entnimmt ihn und füttert Zucker nach. Veganer sehen darin eine Nutzung von Tieren, die sie vermeiden wollen.

Was vegan bedeutet

Donald Watson prägte das Wort 1944. Die Vegan Society, die er im selben Jahr in Birmingham gründete, nannte in ihrem Manifest vom November 1944 die ausgeschlossenen Lebensmittel. Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Honig, Tiermilch, Butter und Käse. Honig stand also von Anfang an auf der Liste.

Die seit 1988 geltende Definition der Vegan Society will alle Formen der Ausbeutung von Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke vermeiden, so weit wie möglich und praktisch durchführbar. In der Ernährung bedeutet das den Verzicht auf alle ganz oder zu Teilen vom Tier gewonnenen Produkte.

In Deutschland fehlt ein Gesetz dazu. Die Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder beschloss am 22. April 2016 eine Definition. Vegan sind danach Lebensmittel, die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf keiner Stufe tierische Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe verwendet wurden. Diese Definition steht heute in den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs.

Wie Honig im Bienenkörper entsteht

Sammelbienen saugen Nektar mit dem Rüssel auf und lagern ihn in der Honigblase. Schon dabei mischen sie Enzyme aus den Futtersaftdrüsen bei, Amylasen und Glucosidasen. Die spalten den Zucker in Traubenzucker und Fruchtzucker.

Im Stock geben die Sammlerinnen den unfertigen Honig an Stockbienen weiter. Die tragen ihn mehrfach um, nehmen ihn in den Körper auf und geben ihn wieder ab. Dabei gelangen Säuren, Enzyme und weitere Proteine aus der Biene in den Nektar.

Dann entziehen die Bienen Wasser. Ab 30 bis 40 Prozent Wassergehalt breiten sie den Nektar in Wabenzellen aus und fächeln mit den Flügeln. Am Ende liegt der Wassergehalt unter 20 Prozent, meist bei 18. Die volle Zelle wird mit Wachs verdeckelt.

Das EU-Recht nennt das Tier direkt in der Definition. Als Honig darf nur verkauft werden, was Bienen der Art Apis mellifera aus Nektar erzeugen. Sie müssen ihn „durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydrieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen“.

Warum Bienen den Honig brauchen

Honig ist Futter und Energiequelle des Volkes. Im Winter hält die Wintertraube innen etwa 27 Grad. An ihrer Oberfläche darf es nicht unter 8 Grad fallen, sonst sterben die Bienen. Den Brennstoff dafür liefert der Honig. Wespen und Hummeln sterben im Winter als Volk, Honigbienen überleben dank ihrer Vorräte.

Für den Winter genügen je nach Volksstärke 10 bis 20 Kilogramm Honig. Ein Volk kann bis zu 50 Kilogramm im Jahr produzieren. Der Deutsche Imkerbund nennt für deutsche Völker eine durchschnittliche Erntemenge von 20 bis 30 Kilogramm.

Entnimmt der Imker mehr, als der Überschuss hergibt, muss er im Spätsommer oder Herbst Zuckerprodukte füttern. Die Vegan Society kritisiert genau diesen Tausch. Dem Zuckerersatz fehlen die Mikronährstoffe des Honigs.

Was Veganer an der Imkerei kritisieren

Die Vegan Society nennt mehrere Praktiken. Zucht auf Ertrag verengt den Genpool und macht Völker anfälliger für Krankheiten. Importierte Bienen bringen Krankheiten mit, die auf andere Bestäuber übergehen. Königinnen werden teils die Flügel gestutzt, damit sie den Stock nicht mit einem Schwarm verlassen. Völker können nach der Ernte getötet werden, um Kosten zu sparen.

In Deutschland sieht die Imkerei anders aus. Weniger als 1 Prozent der Mitglieder des Deutschen Imkerbunds imkern erwerbsmäßig, 96 Prozent halten bis zu 25 Völker. Die vegane Kritik richtet sich trotzdem auf das Prinzip. Nach der Definition zählt die Nutzung des Tieres, unabhängig vom Umfang.

Eine einzelne Biene erzeugt in ihrem Leben ein Zwölftel Teelöffel Honig. Für 500 Gramm fliegen Arbeitsbienen rund 40.000-mal aus und legen dabei rund 120.000 Kilometer zurück. Diese Zahlen des Imkerbunds zeigen den Aufwand, der in einem Glas steckt.

Honig in Zahlen

Merkmal Wert
Bienenvölker in Deutschland rund 964.000 (Schätzung des Imkerbunds)
Imkerinnen und Imker rund 143.000
Ernte je Volk und Jahr 20 bis 30 kg
Wintervorrat je Volk 10 bis 20 kg
Ernte in Deutschland 2020 29.249 Tonnen
Import nach Deutschland 2020 rund 88.000 Tonnen aus 59 Ländern
Selbstversorgungsgrad 2020 33 Prozent
Verbrauch je Kopf und Jahr etwa 1 kg

Die Zahlen stammen vom Deutschen Imkerbund und aus der Wikipedia. Mehr als zwei Drittel des Honigs in Deutschland kommen aus dem Ausland, 2020 vor allem aus der Ukraine, Mexiko und Argentinien.

Honig bei Vegetariern und beim V-Label

Vegetarier meiden Produkte von getöteten Tieren. Honig stammt von lebenden Bienen, deshalb gilt er wie Milch und Ei als vegetarisch. Das V-Label für vegetarische Produkte erlaubt laut Verbraucherzentrale ausdrücklich Milch, Eier und Honig. Das vegane V-Label schließt alle tierischen Zutaten aus.

Als Ersatz nennt die Vegan Society Dattelsirup, Ahornsirup, Melasse und Agavendicksaft. Wer Bienen unterstützen will, soll nach ihrer Empfehlung weder Honig noch Bienenwachs kaufen und stattdessen an eine Naturschutzorganisation spenden.

Häufige Fragen

Ist Honig vegetarisch?

Ja. Vegetarier meiden nur Produkte getöteter Tiere. Honig stammt von lebenden Bienen.

Ist Honig vom Hobbyimker vegan?

Nein. Die Definition kennt keine Ausnahme für kleine Betriebe. Honig bleibt ein Erzeugnis tierischen Ursprungs.

Ist Honig vegan, wenn die Bienen genug behalten?

Nein. Die Menge spielt für die Definition keine Rolle. Vegan ist nur, was nicht vom Tier gewonnen wird.

Ist Bienenwachs vegan?

Nein. Die Vegan Society rät, weder Honig noch Bienenwachs zu kaufen.

Wie viel Honig macht eine Biene in ihrem Leben?

Ein Zwölftel Teelöffel, so die Vegan Society. Ein ganzes Volk erntet laut Imkerbund 20 bis 30 Kilogramm im Jahr.

Was nehmen Veganer statt Honig?

Dattelsirup, Ahornsirup, Melasse oder Agavendicksaft.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.

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