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Kurzantwort: Schokolade enthält Theobromin, einen Stoff aus der Kakaobohne. Hunde bauen ihn viel langsamer ab als Menschen, die Halbwertszeit im Blut liegt bei rund 17,5 Stunden. Ab etwa 20 Milligramm Theobromin pro Kilogramm Körpergewicht kommt es zu Erbrechen und Durchfall, ab 60 Milligramm zu Krampfanfällen. Je dunkler die Schokolade, desto weniger reicht dafür aus.
Wichtig: Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung. Hat dein Hund Schokolade gefressen, ruf sofort eine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an.
Ein Stück Schokolade fällt vom Tisch, der Hund ist schneller als du. Für Menschen ist das harmlos. Für Hunde kann es je nach Sorte und Menge lebensgefährlich werden.
Der Grund liegt in einem einzelnen Stoff, den der Hundekörper kaum verarbeiten kann. Die Zahlen dazu sind gut belegt, und sie zeigen, wie viel wirklich gefährlich ist.
Der Stoff dahinter heißt Theobromin
Theobromin gehört zu den Purinalkaloiden und steckt in der Kakaobohne. Es ist mit Koffein verwandt und wirkt anregend auf Herz, Kreislauf und Nervensystem.
Beim Menschen ist die Wirkung mild. Der Körper baut Theobromin über Enzyme der Cytochrom-P450-Gruppe ab, vor allem CYP1A2 und CYP2E1. Diese Enzyme sind beim Menschen deutlich aktiver als beim Hund.
Der Hund nimmt Theobromin fast vollständig über den Darm auf. Die Bioverfügbarkeit liegt laut Wikipedia bei 77 Prozent. Den höchsten Blutspiegel erreicht der Stoff zwei bis vier Stunden nach dem Fressen.
Warum Hunde es nicht vertragen
Das Problem ist die lange Verweildauer. Die Plasmahalbwertszeit beim Hund beträgt rund 17,5 Stunden. Erst nach dieser Zeit ist die Hälfte des Stoffs abgebaut.
Theobromin bleibt also tagelang im Körper und wirkt die ganze Zeit weiter. Es blockiert Adenosinrezeptoren und hemmt Phosphodiesterasen. Dadurch schüttet der Körper mehr Katecholamine aus, das Herz schlägt schneller, die Reizschwelle des Nervensystems sinkt.
Dazu kommt ein Effekt auf die Muskelzellen. Theobromin erhöht die Calciumaufnahme und steigert so die Kontraktionskraft. Zittern, Unruhe und Krämpfe sind die Folge.
Wie viel Theobromin steckt in welcher Schokolade
Der Gehalt hängt am Kakaoanteil. Wikipedia nennt folgende Werte je Gramm Produkt, die Kleintierklinik der Universität Gießen gibt für Bitterschokolade mit 90 Prozent Kakao 26 Milligramm je Gramm an.
| Produkt | Theobromin je Gramm | In 100 Gramm |
|---|---|---|
| Kakaopulver, getrocknet | 28,5 mg | 2.850 mg |
| Bitterschokolade | 16 mg | 1.600 mg |
| Zartbitterschokolade | 5,7 mg | 570 mg |
| Milchschokolade | 2,3 mg | 230 mg |
| Trinkschokolade, flüssig | 0,4 mg | 40 mg |
| Weiße Schokolade | 0,009 mg | 0,9 mg |
Weiße Schokolade enthält praktisch kein Theobromin. Kakaopulver und Backschokolade sind dagegen die gefährlichsten Formen. Auch Kakaoschalen, die als Gartenmulch verkauft werden, haben laut Wikipedia schon Vergiftungen ausgelöst.
Ab welcher Menge es gefährlich wird
Die Dosis wird pro Kilogramm Körpergewicht gerechnet. Wikipedia führt drei Schwellen für den Hund auf.
| Dosis Theobromin | Symptome |
|---|---|
| 20 mg/kg | Erbrechen, Durchfall, starker Durst |
| 40 bis 50 mg/kg | zusätzlich Herzrasen und Herzrhythmusstörungen |
| ab 60 mg/kg | zusätzlich Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen |
Für die tödliche Dosis nennt Wikipedia eine Spanne von 100 bis 500 Milligramm je Kilogramm. Schwere Symptome treten aber deutlich früher auf, und einzelne Hunde reagieren empfindlicher als der Durchschnitt.
Ein Rechenbeispiel mit den Werten aus der Tabelle: Ein Hund mit 10 Kilogramm frisst eine halbe Tafel Zartbitter, also 50 Gramm. Das sind 285 Milligramm Theobromin oder 28,5 Milligramm je Kilogramm. Damit liegt er über der ersten Schwelle. Bei einer ganzen Tafel Milchschokolade kommt derselbe Hund auf 23 Milligramm je Kilogramm, ebenfalls über der Grenze für Erbrechen und Durchfall.
Bei kleinen Hunden kippt die Rechnung schnell. Ein Chihuahua mit 3 Kilogramm erreicht mit 50 Gramm Zartbitter schon 95 Milligramm je Kilogramm und damit den Bereich der Krampfanfälle.
Symptome und Zeitverlauf
Die ersten Anzeichen zeigen sich meist zwei bis vier Stunden nach dem Fressen, in Ausnahmen erst nach zwölf Stunden. Typisch sind starker Durst, Unruhe, Erbrechen, Durchfall und manchmal ein aufgeblähter Bauch.
Danach können Herzrasen, Zittern, Überempfindlichkeit auf Reize und Krampfanfälle dazukommen. Ohne Behandlung kann eine schwere Vergiftung laut Wikipedia innerhalb von 12 bis 36 Stunden tödlich enden. Als unmittelbare Todesursache gelten Herzrhythmusstörungen, Überhitzung oder Atemstillstand.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt eine Auswertung der Klinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin aus dem Jahr 2020. Von 156 Hunden, bei denen die Halter das Fressen von Schokolade beobachtet hatten, entwickelten 44 Symptome. Die aufgenommene Theobrominmenge lag zwischen 19,5 und 332 Milligramm je Kilogramm, im Median bei 73,4.
Die Tiere kamen im Median fünf Stunden nach dem Fressen in die Klinik. Die häufigsten Symptome waren Unruhe bei 33 Hunden, Zittern bei 22 und Erbrechen bei 21. Von den 44 Hunden überlebten 43.
Was du tun musst, wenn es passiert ist
Ruf sofort in einer Tierarztpraxis an, auch wenn dein Hund noch keine Symptome zeigt. Halte dabei vier Angaben bereit: das Gewicht des Hundes, die Schokoladensorte, die ungefähre Menge und den Zeitpunkt.
Mit diesen Daten kann die Praxis die Dosis abschätzen und entscheiden, ob dein Hund kommen muss. Versuch nicht, Erbrechen selbst auszulösen. Das gehört in tierärztliche Hände.
In der Praxis läuft die Behandlung in Stufen. Zuerst lässt die Tierärztin den Hund erbrechen, damit noch nicht aufgenommenes Theobromin den Magen verlässt. Aktivkohle bindet bereits aufgenommenen Stoff im Darm. Infusionen verdünnen das Theobromin im Blut und beschleunigen die Ausscheidung. In der Berliner Fallserie kamen bei Bedarf Mittel gegen Herzrasen und Krämpfe dazu.
Beginnt die Behandlung innerhalb von zwei bis vier Stunden nach dem Fressen, ist die Prognose laut Wikipedia gut. Die Zeit ist also der wichtigste Faktor, den du beeinflussen kannst.
Häufige Fragen
Ist ein Stück Milchschokolade schon gefährlich?
Ein einzelnes Stück mit 5 Gramm enthält etwa 12 Milligramm Theobromin. Für einen 10-Kilo-Hund sind das 1,2 Milligramm je Kilogramm, weit unter der Schwelle von 20. Eine ganze Tafel überschreitet sie dagegen.
Darf ein Hund weiße Schokolade fressen?
Weiße Schokolade enthält mit 0,009 Milligramm je Gramm praktisch kein Theobromin. Fett und Zucker tun dem Hund trotzdem nicht gut, eine Vergiftung droht aber nicht.
Wie schnell zeigen sich Symptome?
Meist nach zwei bis vier Stunden, in Ausnahmefällen erst nach zwölf Stunden. In der Berliner Fallserie kamen die Hunde im Median nach fünf Stunden in die Klinik.
Warum vertragen Menschen Schokolade?
Menschen haben aktivere Abbauenzyme in der Leber, vor allem CYP1A2 und CYP2E1. Theobromin verschwindet dadurch deutlich schneller aus dem Blut als beim Hund mit seiner Halbwertszeit von 17,5 Stunden.
Ist Kakao für Hunde genauso giftig?
Kakaopulver ist mit 28,5 Milligramm je Gramm sogar die konzentrierteste Form. Auch Kakaoschalen als Gartenmulch haben schon Vergiftungen verursacht.
Wie viele Hunde überleben eine Schokoladenvergiftung?
In der Auswertung der FU Berlin überlebten 43 von 44 Hunden mit Symptomen. Voraussetzung war eine rasche Behandlung in der Klinik.
Quellen
- Wikipedia — Theobrominvergiftung
- Freie Universität Berlin, Klinik für kleine Haustiere — Schokoladenintoxikation bei 44 Hunden (Tierärztliche Praxis K, 2020)
- Justus-Liebig-Universität Gießen, Kleintierklinik — Schokoladenvergiftung (Theobrominvergiftung) bei Hund und Katze
Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.






