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Kurzantwort: Kleine Luftbläschen, wie sie in einer Spritze oder im Infusionsschlauch bleiben, sind in einer Vene ungefährlich. Das Blut trägt sie zur Lunge, wo sie hängen bleiben und abgebaut werden. Gefährlich wird es laut Ärztekammer Nordrhein ab etwa 20 Millilitern Luft auf einmal. Bei 100 bis 300 Millilitern kann die rechte Herzkammer blockieren, dann spricht man von einer tödlichen Luftembolie.
Wichtig: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Atemnot, Brustschmerz oder Bewusstseinsstörungen nach einer Injektion oder Infusion ruf sofort den Notruf 112.
Die Angst vor der Luftblase in der Spritze kennt fast jeder. Im Film reicht sie, um jemanden umzubringen. In der Praxis liegt die gefährliche Menge weit über dem, was in einer Kanüle Platz hat.
Trotzdem gibt es die Luftembolie, und sie kann tödlich sein. Entscheidend sind drei Dinge: die Menge, die Geschwindigkeit und der Ort, an dem die Luft in den Kreislauf gelangt.
Was mit einer Luftblase in der Vene passiert
Venen führen das Blut zum Herzen. Eine Luftblase, die in eine Armvene gelangt, wandert mit dem Blutstrom in die rechte Herzhälfte und von dort in die Lunge.
Dort verzweigen sich die Gefäße immer feiner. Kleine Bläschen bleiben in der Lunge hängen und werden dort abgebaut. Der Körper merkt davon nichts.
Die Ärztekammer Nordrhein schreibt dazu, dass kleine Luftbläschen im venösen System in der Regel keine Gefahr darstellen. Das gilt auch für den nicht ganz luftleer gemachten Infusionsschlauch.
Ab welcher Menge es gefährlich wird
Die Fachliteratur nennt verschiedene Werte, weil Gewicht, Herzfunktion und Einstromgeschwindigkeit mitspielen. Die wichtigsten Angaben im Überblick:
| Luftmenge | Wirkung | Quelle |
|---|---|---|
| einzelne Bläschen | im venösen System in der Regel ungefährlich | Ärztekammer Nordrhein |
| ab 20 ml | in der Literatur als gefährlich beschrieben | Ärztekammer Nordrhein |
| 100 bis 300 ml | kann tödlich sein, wenn die rechte Herzkammer blockiert | Anästhesiologie & Intensivmedizin 2013 |
| 3 bis 5 ml je kg Körpergewicht | theoretische tödliche Dosis beim Menschen | Wikipedia (en) |
| 2 ml in einer Hirnarterie | kann tödlich sein | Wikipedia (en) |
| 0,5 ml in einem Herzkranzgefäß | kann einen Herzstillstand auslösen | Wikipedia (en) |
Eine Spritze für eine Impfung fasst nur wenige Milliliter. Selbst komplett mit Luft gefüllt bliebe sie im venösen System weit unter der Schwelle von 20 Millilitern.
Beim Tempo gilt eine ähnliche Regel. Die englische Wikipedia nennt 300 bis 500 Milliliter bei einer Einstromrate von 100 Millilitern pro Sekunde als tödlich. Luft, die langsam eintritt, kann die Lunge nach und nach abbauen. Luft, die auf einen Schlag kommt, sammelt sich im Herzen.
Venös oder arteriell, das ist der Unterschied
Alle Zahlen oben gelten für Venen. In einer Arterie liegt die Sache anders. Arterien führen das Blut vom Herzen weg in die Organe. Eine Luftblase verstopft dort direkt ein Gefäß und schneidet das Gewebe dahinter von der Versorgung ab.
Deshalb reichen im Gehirn 2 Milliliter und in einem Herzkranzgefäß 0,5 Milliliter. Die Folge ist ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt.
Ein Sonderfall verbindet beide Systeme. Manche Menschen haben ein offenes Foramen ovale, eine kleine Verbindung zwischen rechtem und linkem Vorhof. Über diesen Rechts-links-Shunt kann venöse Luft die Lunge umgehen und in die Arterien gelangen. Die Fachzeitschrift Anästhesiologie & Intensivmedizin schreibt, dass dann bereits geringste Luftmengen einen Infarkt auslösen können.
Wie Luft überhaupt in die Vene kommt
Bei einer normalen Blutabnahme oder Impfung passiert das praktisch nie. In den Armvenen herrscht kaum Sog, Luft wird nicht angesaugt. Wikipedia beschreibt Komplikationen durch Handhabungsfehler an peripheren Verweilkanülen deshalb als selten.
Anders ist es nahe am Herzen. Dort entsteht mit jedem Herzschlag ein Unterdruck. Ein zentraler Venenkatheter, der offen zur Umgebung liegt, kann Luft regelrecht ansaugen. Die Ärztekammer Nordrhein nennt als typischen Fehler das Entfernen eines solchen Katheters im Sitzen.
Weitere Ursachen aus der Fachliteratur:
- Druckinfusionen: Wird ein Infusionsbehälter von außen zusammengedrückt, gelangt die Restluft mit ins Blut. Glasflaschen enthalten laut Anästhesiologie & Intensivmedizin etwa 150 Milliliter Luft, Beutel deutlich weniger.
- Herzkatheter: Kontrastmittel wird unter hohem Druck gespritzt. Bei schlechter Entlüftung können mehrere Milliliter Luft direkt in die Herzkranzgefäße gelangen.
- Operationen: Eingriffe in sitzender Position, vor allem am Kopf und Hals, öffnen Venen oberhalb des Herzens.
- Tauchunfälle: Eine Überdehnung der Lunge beim Auftauchen presst Luft in die Blutbahn.
Die Gutachterkommission der Ärztekammer Nordrhein hatte zwischen 2015 und 2020 sieben Fälle von Luftembolie auf dem Tisch. In fünf davon stellte sie einen Behandlungsfehler fest, darunter eine Herzkatheteruntersuchung und eine Katheterentfernung.
Symptome einer Luftembolie
Die Zeichen ähneln denen einer Lungenembolie. Wikipedia listet Schmerzen beim Atmen, Husten, Luftnot mit beschleunigter Atmung, Blutdruckabfall mit schnellem Puls, Angst und Panik.
Die Ärztekammer Nordrhein nennt als Warnzeichen Blaufärbung der Haut, Atemnot, Brustschmerz und Bewusstlosigkeit. Bei arterieller Luft kommen laut englischer Wikipedia Lähmungen, Taubheitsgefühle und Krampfanfälle dazu.
Im Herzultraschall lässt sich die Luft direkt sehen. Das EKG kann Veränderungen wie bei einem Herzinfarkt zeigen, die Blutgasanalyse einen Abfall des Sauerstoffgehalts.
Behandlung und wie Kliniken vorbeugen
Der erste Schritt ist immer, den Lufteintritt zu stoppen. Danach bekommt der Patient Sauerstoff in hoher Konzentration. Die Ärztekammer Nordrhein nennt dazu die flache Rückenlage und bei Bedarf Katecholamine, um den Kreislauf zu stützen.
Bei venöser Luft wird der Patient in Linksseitenlage mit Kopf nach unten gebracht, das sogenannte Durant-Manöver. Die Luft bleibt so in der rechten Herzkammer und erreicht die Lunge nicht. Über einen zentralen Venenkatheter kann das Team die Luft manchmal aus dem rechten Vorhof absaugen. Bei Bedarf folgen Beatmung und Wiederbelebung.
Bei arterieller Luftembolie empfiehlt die englische Wikipedia die Druckkammer mit 100 Prozent Sauerstoff.
Vorbeugung ist einfacher als Therapie. Kliniken arbeiten mit geschlossenen Systemen und Schraubverbindungen nach dem Luer-Lock-Prinzip. Zentrale Katheter werden im Liegen gezogen, Kontrastmittelinjektoren sorgfältig entlüftet. Die Ärztekammer Nordrhein schreibt, dass Schraubverbindungen und Personalschulungen die Luftembolie selten gemacht haben.
Häufige Fragen
Ist eine kleine Luftblase in der Spritze gefährlich?
Nein. Eine Impfspritze fasst nur wenige Milliliter. Die Gefahrenschwelle im venösen System liegt laut Ärztekammer Nordrhein bei etwa 20 Millilitern.
Ich sehe Bläschen im Infusionsschlauch, was nun?
Sag es dem Pflegepersonal, damit der Schlauch entlüftet wird. Kleine Bläschen sind laut Ärztekammer Nordrhein ungefährlich, die Lunge fängt sie ab.
Wie viel Luft ist tödlich?
Die Fachzeitschrift Anästhesiologie & Intensivmedizin nennt 100 bis 300 Milliliter, wenn die Luft die rechte Herzkammer blockiert. Wikipedia führt als theoretischen Wert 3 bis 5 Milliliter je Kilogramm Körpergewicht an.
Warum ist Luft in einer Arterie gefährlicher?
Arterien versorgen Organe direkt. Eine Blase verschließt das Gefäß, das Gewebe dahinter bekommt kein Blut mehr. Im Gehirn reichen 2 Milliliter, im Herzkranzgefäß 0,5 Milliliter.
Wie häufig ist eine Luftembolie?
Selten. Die Gutachterkommission der Ärztekammer Nordrhein hatte von 2015 bis 2020 sieben Fälle. Bei Tauchern nennt die englische Wikipedia 7 Fälle je 100.000 Tauchgänge.
Wie wird eine Luftembolie behandelt?
Lufteintritt stoppen, Sauerstoff geben, Linksseitenlage mit Kopftieflage. Bei arterieller Luft hilft die Druckkammer, bei Kreislaufstillstand die Wiederbelebung.
Quellen
- Ärztekammer Nordrhein, Rheinisches Ärzteblatt 9/2021 — Luftembolien: selten, aber gefährlich
- Anästhesiologie & Intensivmedizin 2013;54 — Druckinfusion und Luftembolie (T. Prien)
- Wikipedia — Luftembolie
- Wikipedia (en) — Air embolism
Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.






