Inhalt
Kurzantwort: Asbest ist gefährlich, weil sich das Mineral in winzige Fasern aufspaltet, die du einatmest und die langfristig in der Lunge bleiben. Dort reizen sie das Gewebe und lösen nach Jahrzehnten Asbestose, Lungenkrebs oder ein Mesotheliom aus. Die Latenzzeit beträgt laut Umweltbundesamt bis zu etwa 30 Jahre. In Deutschland ist Asbest seit dem 31. Oktober 1993 verboten, EU-weit seit dem 1. Januar 2005.
Wichtig: Dieser Text erklärt Zusammenhänge und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du Asbest ausgesetzt warst oder Atembeschwerden hast, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Asbest galt über Jahrzehnte als Wunderfaser. Das Mineral brennt nicht, hält Hitze und Chemikalien aus, reißt kaum und lässt sich mit fast jedem Baustoff mischen. Allein zwischen 1950 und 1985 wurden in Deutschland rund 4,4 Millionen Tonnen davon verbaut.
Dieselbe Eigenschaft, die Asbest so nützlich machte, macht ihn tödlich. Die Fasern sind so fein, dass sie in die Lunge gelangen, und so beständig, dass der Körper sie nicht abbauen kann. Sie können dort über Jahrzehnte bleiben.
Hier findest du, was die Fasern im Körper anrichten, warum die Krankheit erst nach Jahrzehnten ausbricht, wie viele Menschen daran sterben und wo Asbest heute noch in Gebäuden steckt.
Was Asbest ist und warum es überall verbaut wurde
Asbest ist eine Sammelbezeichnung für natürlich vorkommende, faserartige Silikatminerale. Die Fasern sind bis herab zu 2 Mikrometer dünn, ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter. Die WHO unterscheidet sechs Hauptformen. Die wichtigste ist Chrysotil, der sogenannte Weißasbest.
Seit etwa 1930 kam Asbest in Deutschland in weit mehr als 3.000 Produkten zum Einsatz. Dazu zählen Dach- und Fassadenplatten, Brems- und Kupplungsbeläge, Dichtungen, Bodenbeläge, Putze und Fliesenkleber. Besonders in den 1960er und 1970er Jahren wurden in beiden Teilen Deutschlands viele Gebäude mit Asbestzement gebaut.
Was die Fasern in der Lunge anrichten
Das Umweltbundesamt stuft Asbest als eindeutig krebserregend ein. Charakteristisch ist seine Eigenschaft, sich in feine Fasern zu zerteilen, die sich der Länge nach weiter aufspalten. Diese Fasern schweben in der Luft und werden leicht eingeatmet.
Die Europäische Kommission beschreibt die kritische Größe so. Die Fasern müssen klein genug sein, um eingeatmet zu werden, und zu groß, um wieder ausgeatmet zu werden. Sie bleiben in der Lunge stecken, reizen das Gewebe und wandern zum Teil bis zum Brust- und Bauchfell.
Daraus entstehen drei Krankheitsbilder. Bei der Asbestose vernarbt das Lungengewebe und verhärtet sich, das Atmen wird dauerhaft schwer. Lungenkrebs tritt bei Menschen, die regelmäßig mit Asbest gearbeitet haben, häufiger auf. Das Mesotheliom ist ein Tumor des Brust- oder Bauchfells, der in der Allgemeinbevölkerung sehr selten ist und als unheilbar gilt.
Die WHO zählt außerdem Kehlkopf- und Eierstockkrebs zu den Folgen. Alle sechs Asbestformen gelten als krebserregend, auch Chrysotil. Wer zusätzlich raucht, erhöht sein Lungenkrebsrisiko deutlich, und je mehr Zigaretten, desto größer das Risiko.
Warum die Krankheit erst nach Jahrzehnten ausbricht
Zwischen dem Einatmen der Fasern und den ersten Beschwerden vergehen laut Umweltbundesamt bis zu etwa 30 Jahre. Die Europäische Kommission nennt für die Asbestose 10 bis 20 Jahre. Asbestbedingte Krebserkrankungen können noch nach 40 Jahren entstehen.
Diese Latenzzeit erklärt, warum die Zahl der Erkrankten heute noch hoch ist, obwohl das Verbot mehr als 30 Jahre zurückliegt. Wer in den 1980er Jahren Asbestplatten gesägt hat, kann heute erkranken. Die Anträge auf Anerkennung einer Berufskrankheit machen deshalb weiter einen hohen Anteil bei den Unfallversicherungen aus.
Wie viele Menschen daran sterben
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung veröffentlicht die Todesfälle durch anerkannte Berufskrankheiten. Vier Positionen betreffen Asbest.
| Berufskrankheit | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Asbestose (BK 4103) | 212 | 187 | 186 |
| Lungen-, Kehlkopf-, Eierstockkrebs durch Asbest (BK 4104) | 460 | 477 | 399 |
| Mesotheliom durch Asbest (BK 4105) | 656 | 651 | 617 |
| Lungenkrebs durch Asbest und PAK (BK 4114) | 16 | 24 | 24 |
| Asbest gesamt | 1.344 | 1.339 | 1.226 |
| Alle Berufskrankheiten | 2.148 | 2.140 | 1.888 |
2024 gingen damit 1.226 von 1.888 Todesfällen durch Berufskrankheiten auf Asbest zurück, fast zwei Drittel. Das Mesotheliom ist mit 617 Fällen die häufigste tödliche Folge. Die Zahlen erfassen nur anerkannte Berufskrankheiten, private Belastungen etwa beim Heimwerken tauchen darin nicht auf.
Weltweit schätzt die WHO gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation mehr als 200.000 Todesfälle pro Jahr durch Asbest am Arbeitsplatz. Das sind über 70 Prozent aller Todesfälle durch arbeitsbedingte Krebserkrankungen.
Wann Asbest verboten wurde
Die Asbestose wurde in Deutschland bereits 1936 als Berufskrankheit anerkannt. Trotzdem wurde Asbest bis in die 1990er Jahre am Arbeitsplatz verwendet. Seit dem 31. Oktober 1993 sind Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten in Deutschland verboten.
Die EU folgte mit der Richtlinie 1999/77/EG. Sie verbietet jegliche Verwendung von Asbest mit Wirkung zum 1. Januar 2005. Die Richtlinie 2003/18/EG untersagt zusätzlich Gewinnung, Herstellung und Verarbeitung. Für Beschäftigte gilt EU-weit ein Grenzwert von 0,1 Fasern pro Kubikzentimeter Luft, gemittelt über acht Stunden.
Weltweit haben laut WHO mehr als 50 Mitgliedstaaten Asbest verboten. Andernorts wird Chrysotil weiter abgebaut und verarbeitet.
Wo Asbest heute noch steckt und wann er gefährlich wird
Das Umweltbundesamt unterscheidet zwei Gruppen. Schwach gebundene Produkte enthalten meist über 60 Prozent Asbest. Dazu gehören Spritzasbest an Stahlträgern, manche Nachtspeicheröfen und Cushion-Vinyl-Böden aus den 1960er Jahren mit einer Trägerpappe aus 90 Prozent Asbest. Hier lösen sich Fasern schon durch Erschütterung und Alterung.
Fest gebundene Produkte wie Asbestzement enthalten etwa 10 bis 15 Prozent Asbest. Dachplatten, Fassadenplatten, Fallrohre und Blumenkästen gehören dazu, ebenso Putze, Spachtelmassen und Floor-Flex-Platten mit rund 15 Prozent. Bei normaler Nutzung geht von intakten Produkten laut Umweltbundesamt keine Gefahr aus.
Kritisch wird es beim Bohren, Sägen, Schleifen, Fräsen und Zerschlagen. Besonders das Abschleifen und großflächige Abstemmen setzt viele Fasern frei. Ein einzelnes Dübelloch in asbesthaltigem Putz gilt nach aktuellen Untersuchungen dagegen im Allgemeinen als unkritisch.
Abbruch, Sanierung und Instandhaltung dürfen nur Firmen mit Sachkunde nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe 519 ausführen. Jeder andere Umgang ist verboten. Für intakte Asbestzementprodukte gibt es kein generelles Sanierungsgebot. Erst wenn Platten spröde und brüchig sind, müssen sie raus.
Häufige Fragen
Ist ein Asbestdach gefährlich, wenn man darunter wohnt?
Solange die Platten intakt sind und niemand daran bohrt, sägt oder schleift, geht laut Umweltbundesamt bei normaler Nutzung keine Gefahr aus. Verwitterte, brüchige Platten müssen entfernt werden.
Wie lange dauert es, bis Asbest krank macht?
Bis zu etwa 30 Jahre, bei Krebserkrankungen bis zu 40 Jahre. Die Asbestose zeigt sich oft nach 10 bis 20 Jahren.
Seit wann ist Asbest verboten?
In Deutschland seit dem 31. Oktober 1993, in der gesamten EU seit dem 1. Januar 2005.
Darf ich Asbest selbst entfernen?
Nein. Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten sind Firmen mit Sachkunde nach TRGS 519 vorbehalten. Jeder andere Umgang ist verboten.
Wie viele Menschen sterben in Deutschland an Asbest?
2024 zählte die DGUV 1.226 Todesfälle durch asbestbedingte Berufskrankheiten, davon 617 durch ein Mesotheliom.
Ist Bohren in alte Wände gefährlich?
Ein einzelnes Loch in asbesthaltigem Putz gilt nach aktuellen Untersuchungen im Allgemeinen als unkritisch. Großflächiges Schleifen oder Abstemmen setzt dagegen viele Fasern frei und gehört in die Hände von Fachfirmen.
Quellen
- Umweltbundesamt — Asbest
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung — Todesfälle infolge einer Berufskrankheit
- Europäische Kommission — Gesundheitsschutz und Sicherheit: Asbest
- WHO — Asbestos: elimination of asbestos-related diseases
Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.






