Was passiert, wenn Fäden nicht gezogen werden? Fristen, Folgen

Kurzantwort: Werden nicht resorbierbare Fäden nicht rechtzeitig gezogen, wächst die Haut über sie hinweg. Der Faden wirkt dann als Fremdkörper: Die Einstichstellen bleiben als Punkte und Querstreifen in der Narbe sichtbar, Keime können am Faden entlang in die Wunde wandern, und es kann sich ein entzündlicher Knoten bilden, das Fadengranulom. Das Ziehen wird schwieriger und schmerzhafter. Die Fristen liegen je nach Körperstelle zwischen 4 und 14 Tagen. Selbstauflösende Fäden musst du nicht ziehen lassen.

Nach einer Operation oder einer genähten Platzwunde bekommst du einen Termin zum Fädenziehen. Der Termin ist wichtiger, als er wirkt. Der Faden hat eine Aufgabe für eine begrenzte Zeit: die Wundränder zusammenhalten, bis das Gewebe selbst wieder trägt. Danach schadet er mehr, als er nützt. Die Wikipedia formuliert es so: „Unnötig im Körper verbliebenes Nahtmaterial stellt ein Entzündungsrisiko dar.“

Hier liest du, wann Fäden gezogen werden, was Tag für Tag passiert, wenn der Termin verstreicht, welche Komplikationen drohen und warum bei selbstauflösenden Fäden nichts zu tun ist. Die Fristen stammen aus dem DocCheck Flexikon und der englischen Wikipedia, die Materialdaten aus der Wikipedia.

Wann Fäden normalerweise gezogen werden

Die Frist hängt davon ab, wie gut die Stelle durchblutet ist und wie viel Zug auf der Narbe liegt. Das DocCheck Flexikon nennt diese Zeiträume:

Körperstelle Fadenzug nach
Gesicht 4 bis 6 Tagen
Kopf und Hals 6 bis 8 Tagen
Rumpf 5 bis 10 Tagen
Arme und Beine 10 bis 14 Tagen

Die englische Wikipedia nennt ähnliche Werte: Gesicht 3 bis 5 Tage, Kopfhaut und Rumpf 7 bis 10 Tage, Gliedmaßen 10 bis 14 Tage, über Gelenken 14 Tage. Im Gesicht heilt die Haut schnell und die Narbe soll unauffällig bleiben, deshalb kommen die Fäden früh raus. Über dem Knie oder am Rücken liegt viel Zug auf der Wunde, deshalb bleiben sie länger.

Was passiert, wenn der Termin verstreicht

Ein paar Tage Verzug sind meist harmlos. Danach beginnt ein Prozess, den Chirurgen gut kennen. Die Haut heilt weiter und schließt sich auch über den Einstichstellen. Der Faden liegt dann unter einer dünnen Hautschicht, an der Oberfläche ist nur noch der Knoten zu sehen. Beim späteren Ziehen muss die Ärztin diese Haut aufreißen oder einschneiden. Das tut weh und hinterlässt zusätzliche kleine Wunden.

Gleichzeitig reagiert das Gewebe auf den Fremdkörper. Um jeden Einstich bildet sich eine kleine Entzündung, die zu einer Narbe wird. Das Ergebnis sind Narben mit Punkten und Querstreifen links und rechts der eigentlichen Linie, das sogenannte Strickleitermuster. Es entsteht, weil die Fäden zu lange in der heilenden Haut lagen. Im Gesicht ist das der Hauptgrund für die kurze Frist von wenigen Tagen.

Die drei Komplikationen

Infektion. Jeder Faden ist eine Brücke von außen nach innen. Keime von der Hautoberfläche wandern am Faden entlang in die Wunde. Solange der Faden nach wenigen Tagen entfernt wird, ist das Risiko klein. Bleibt er Wochen, steigt es. Zeichen sind Rötung, Wärme, Schwellung, pochender Schmerz und Eiter an den Einstichstellen.

Fadengranulom. Das DocCheck Flexikon beschreibt es als Fremdkörpergranulom, das sich im Gewebe um das Nahtmaterial bildet und als Knoten im Bereich der Naht auffällt. Der Körper versucht, den Faden abzukapseln. Der Knoten kann sich entzünden, nässen oder als kleine Fistel nach außen aufbrechen, manchmal erst Monate später. Behandelt wird laut Flexikon mit einer Wundrevision, bei der das Fadenmaterial entfernt wird.

Auffällige Narbe. Neben dem Strickleitermuster kann die Narbe breiter und dicker werden, weil die anhaltende Reizung die Bindegewebsbildung anregt. Das lässt sich später nur mit Aufwand korrigieren.

Selbstauflösende Fäden: nichts zu tun

Bei resorbierbaren Fäden entfällt das Ziehen. Der Körper baut sie ab. Die Wikipedia unterscheidet die Materialien nach der Zeit, in der sie die Hälfte ihrer Festigkeit verlieren. Die englische Wikipedia nennt konkrete Werte: Polyglactin 910, bekannt als Vicryl, verliert seine Zugfestigkeit innerhalb von 28 Tagen. Polydioxanon (PDS) braucht 36 bis 53 Tage. Einfaches Catgut hält 7 bis 10 Tage und ist nach 10 Wochen vollständig abgebaut.

Solche Fäden sitzen meist unter der Haut, etwa nach Kaiserschnitt, Blinddarm-OP oder beim Zahnarzt. Manchmal schaut ein Fadenende heraus oder ein Knoten drückt sich nach Wochen durch die Haut. Das ist unangenehm, aber normal. Ein sichtbares, lockeres Ende darf die Ärztin abschneiden. Selbst daran ziehen solltest du nicht.

Was du tun solltest, wenn du den Termin verpasst hast

Ruf in der Praxis an und lass dir den nächstmöglichen Termin geben, auch wenn die Frist erst um zwei Tage überschritten ist. Fäden zieht jede Hausarztpraxis, es muss nicht die Klinik sein, die genäht hat. Zieh die Fäden nicht selbst. Die Ärztin schneidet den Faden unter dem Knoten durch und zieht ihn so heraus, dass kein Stück, das außen lag, durch den Stichkanal wandert. Wer zu Hause mit der Nagelschere arbeitet, zieht genau diesen verkeimten Teil durch die Wunde.

Bis zum Termin gilt: Wunde sauber und trocken halten, nicht baden, Pflaster wechseln, wenn es nass wird. Bei Rötung, Schwellung, Eiter oder Fieber sofort zum Arzt, ohne auf den geplanten Termin zu warten.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn Fäden nicht gezogen werden, in einem Satz?

Die Haut wächst über den Faden, die Narbe bekommt Punkte und Querstreifen, und Infektion oder ein Fadengranulom werden wahrscheinlicher.

Wie lange dürfen Fäden maximal drin bleiben?

Je nach Stelle 4 bis 14 Tage. Ein paar Tage Verzug sind meist unproblematisch, Wochen sollten es nicht werden.

Kann man Fäden auch zu früh ziehen?

Ja. Dann kann die Wunde wieder aufgehen, die Wikipedia nennt das Nahtdehiszenz. Deshalb gibt die Ärztin die Frist vor.

Was ist ein Fadengranulom?

Ein entzündlicher Knoten aus Fremdkörperreaktion um den Faden. Er wird laut DocCheck Flexikon durch eine Wundrevision mit Entfernung des Fadens behandelt.

Lösen sich Fäden von allein auf?

Nur resorbierbare. Vicryl verliert seine Festigkeit in 28 Tagen, PDS in 36 bis 53 Tagen. Nicht resorbierbare Fäden bleiben, bis sie gezogen werden.

Darf ich Fäden selbst ziehen?

Nein. Beim Laienziehen wandert der außen liegende, verkeimte Fadenteil durch den Stichkanal. Jede Hausarztpraxis zieht Fäden.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


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