Was passiert, wenn Jesus wiederkommt? Das lehren die Kirchen

Kurzantwort: Nach christlicher Lehre kehrt Jesus am Ende der Zeit sichtbar und für alle erkennbar zurück. Auf diese Wiederkunft (griechisch Parusie) folgen die Auferstehung der Toten, das Jüngste Gericht über Lebende und Tote und eine neue Schöpfung ohne Tod und Leid. Den Zeitpunkt kennt laut Matthäus 24,36 niemand, auch nicht die Engel. Das alles ist Glaubensinhalt, keine überprüfbare Prognose. Was hier steht, beschreibt, was Bibel und Kirchen lehren.

Die Frage klingt nach Endzeitfilm, gehört aber zum Kern des Christentums. Jeden Sonntag sprechen Millionen Menschen im Glaubensbekenntnis den Satz, dass Christus wiederkommen wird, „zu richten die Lebenden und die Toten“. Was dann genau passieren soll, steht in der Bibel an mehreren Stellen, aber nicht als Drehbuch. Die Kirchen haben daraus über 2.000 Jahre eine Lehre entwickelt, die in den Grundzügen einheitlich ist und in den Details stark auseinandergeht.

Hier liest du, welche Bibelstellen die Wiederkunft beschreiben, in welcher Reihenfolge die Ereignisse nach klassischer Lehre ablaufen, warum niemand ein Datum nennen kann und wo sich Katholiken, Protestanten, Adventisten und Zeugen Jehovas unterscheiden. Grundlage sind die Wikipedia-Artikel zu Parusie und Wiederkunft Christi sowie der Text des Glaubensbekenntnisses.

Was die Bibel über die Wiederkunft sagt

Der Begriff Parusie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet wörtlich „Dabeisein“ oder „Ankunft“. In der Theologie meint er die endzeitliche Wiederkunft Jesu Christi. Die wichtigsten Stellen:

  • Apostelgeschichte 1,11: Nach der Himmelfahrt sagen zwei Männer in weißen Gewändern zu den Jüngern, Jesus werde so wiederkommen, wie sie ihn haben gehen sehen.
  • Matthäus 24,30: Das „Zeichen des Menschensohns“ erscheint am Himmel, alle Völker sehen ihn kommen „mit großer Macht und Herrlichkeit“.
  • 1. Thessalonicher 4,16–17: Der Herr kommt vom Himmel herab, die Toten in Christus stehen zuerst auf, danach werden die Lebenden „entrückt“.
  • Matthäus 25,31–46: Der Menschensohn sitzt auf dem Thron und trennt die Menschen wie ein Hirte Schafe und Böcke.
  • Offenbarung 20–21: Tausendjähriges Reich, Endgericht, ein neuer Himmel und eine neue Erde, „und der Tod wird nicht mehr sein“.

Die Texte stammen aus verschiedenen Jahrzehnten des ersten Jahrhunderts und verwenden Bilder, keine Protokolle. Deshalb gibt es bis heute mehrere Lesarten.

Die Reihenfolge nach klassischer Lehre

Die großen Kirchen fassen die Stellen zu einer Abfolge zusammen:

  1. Wiederkunft: Jesus erscheint sichtbar, nicht im Verborgenen. Das Nicäno-Konstantinopolitanum, das Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 381, formuliert: Er „wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten“.
  2. Auferstehung der Toten: Alle Verstorbenen werden leiblich auferweckt, Gläubige wie Ungläubige.
  3. Jüngstes Gericht: Jeder Mensch steht vor Christus. Maßstab nach Matthäus 25 ist, wie jemand mit Hungrigen, Fremden, Kranken und Gefangenen umgegangen ist.
  4. Neue Schöpfung: Gott macht „alles neu“. Offenbarung 21,4 verspricht eine Welt ohne Tod, Trauer und Schmerz.

Diese vier Schritte teilen katholische, orthodoxe und die meisten evangelischen Kirchen. Der Streit beginnt bei der Frage, was das Tausendjährige Reich aus Offenbarung 20 bedeutet.

Wann soll das passieren?

Die Bibel selbst verweigert ein Datum. Matthäus 24,36 sagt, dass von jenem Tag und jener Stunde niemand weiß, „auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, allein der Vater“. 1. Thessalonicher 5,2 vergleicht den Tag des Herrn mit einem Dieb in der Nacht.

Die ersten Christen rechneten trotzdem mit einer baldigen Rückkehr, noch zu ihren Lebzeiten. Diese Naherwartung erfüllte sich nicht. Die Theologie spricht von der Parusieverzögerung: Schon die späteren Schriften des Neuen Testaments erklären, warum das Warten länger dauert als gedacht. Seitdem hat jede Generation Menschen hervorgebracht, die ein Datum berechnet haben. Alle diese Termine sind verstrichen. Die Kirchen lehnen Datumsberechnungen deshalb ausdrücklich ab.

Drei Deutungen des Tausendjährigen Reichs

Offenbarung 20 spricht von tausend Jahren, in denen Christus mit den Auferstandenen herrscht. Daraus sind drei Modelle entstanden:

  • Prämillenarismus: Jesus kommt vor dem Tausendjährigen Reich zurück und richtet es auf der Erde auf. Diese Sicht ist in evangelikalen und freikirchlichen Gemeinden verbreitet. Dazu gehört oft die Vorstellung einer Entrückung, bei der Gläubige vor der Endzeitnot zu Christus geholt werden.
  • Amillenarismus: Die tausend Jahre sind ein Symbol für die Zeit zwischen erster und zweiter Ankunft Christi, also die Gegenwart. Das ist die Position der katholischen Kirche und der meisten Reformatoren.
  • Postmillenarismus: Jesus kommt nach einer langen Friedenszeit zurück, die das Evangelium in der Welt bewirkt hat.

Für den Alltag der Gläubigen macht das einen Unterschied: Wer die Entrückung erwartet, liest Nachrichten anders als jemand, der die Wiederkunft als einmaliges Ereignis am Ende sieht.

Wie die Konfessionen es sehen

Katholische Kirche: Sie lehrt die Wiederkunft Christi zum Weltgericht als verbindlichen Glaubenssatz. Ein irdisches Tausendjähriges Reich lehnt sie ab.

Evangelische Kirchen: Sie teilen das Glaubensbekenntnis und die vier Schritte, legen den Schwerpunkt aber auf die Hoffnung, weniger auf Gerichtsszenarien.

Siebenten-Tags-Adventisten: Die Wiederkunft steht im Namen der Kirche. Sie erwarten sie bald, verzichten aber nach den gescheiterten Berechnungen des 19. Jahrhunderts auf ein Datum.

Zeugen Jehovas: Sie lehren, die Parusie habe 1914 bereits unsichtbar begonnen; Christus herrsche seitdem im Himmel.

Was das für heute bedeutet

Für die Kirchen ist die Wiederkunft weniger eine Drohung als ein Versprechen: Die Geschichte läuft auf ein Ziel zu, Unrecht bleibt nicht das letzte Wort. In der Liturgie taucht das Thema jedes Jahr im Advent und am Ewigkeitssonntag auf. Wer die Frage aus Neugier stellt, bekommt von Theologen deshalb meist eine zweiteilige Antwort: Was passiert, steht in den Bekenntnissen. Wann es passiert, weiß niemand, und wer ein Datum nennt, widerspricht der Bibel.

Häufige Fragen

Kommt Jesus sichtbar oder unsichtbar zurück?

Nach Apostelgeschichte 1,11 und Matthäus 24,30 sichtbar und für alle Völker erkennbar. Nur die Zeugen Jehovas lehren eine unsichtbare Gegenwart seit 1914.

Was ist die Entrückung?

Die Vorstellung aus 1. Thessalonicher 4,17, dass lebende Gläubige bei der Wiederkunft „in den Wolken“ zu Christus geholt werden. Ob das vor oder mit dem Endgericht geschieht, ist zwischen den Konfessionen umstritten.

Werden alle Menschen auferstehen?

Ja, nach klassischer Lehre alle Toten, unabhängig vom Glauben. Das Gericht entscheidet danach über das weitere Schicksal.

Gibt es Zeichen, an denen man die Wiederkunft erkennt?

Matthäus 24 nennt Kriege, Hungersnöte und Erdbeben, fügt aber hinzu, das sei „erst der Anfang der Wehen“. Die Kirchen warnen davor, aktuelle Ereignisse als Countdown zu lesen.

Was sagt das Glaubensbekenntnis genau?

Das Nicäno-Konstantinopolitanum: Er „wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein“. Das Apostolische Glaubensbekenntnis sagt es kürzer mit fast denselben Worten.

Hat schon einmal jemand ein Datum richtig berechnet?

Nein. Alle bekannten Termine sind verstrichen, was Matthäus 24,36 auch vorhersagt: Niemand kennt Tag und Stunde.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissens-bote.de — sie erklärt hier Alltagsfragen mit belegten Antworten.


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